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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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EINE FORDERUNG

und für sich ohne größere Bedeutung, doch dazu beigetragen hat, dieLebensfreundschaft zwischen Francois Arenberg und mir zu einer unauflös-lichen zu machen. Nachdem wir einen Ausflug zu den Schlachtfeldern beiMetz unternommen hatten, suchten Philipp Arenberg und ich abends inMetz ein kleineres Restaurant auf, das von deutschen Offizieren frequentiertwurde. Uns gegenüber saß ein Hauptmann, der offenbar bezecht war.Nachdem er Philipp Arenberg in provozierender Weise fixiert hatte, erginger sich in Redewendungen über Duckmäuser, die in den Betstuhl gehörten,aber nicht unter Offiziere. Mein lieber Piel blickte traurig und ratlos umsich. Ich intervenierte, indem ich in scharfem Ton den Hauptmann daraufaufmerksam machte, daß ich sein Benehmen unanständig fände. Erentgegnete, daß er sich gar nicht an mir reiben wolle. Ich antwortete, ichverlangte, daß man sich in einem von mir besuchten Lokal und noch dazugegenüber einem Freund von mir anständig benehme. Im übrigen würdeich ihm am nächsten Morgen meine Sekundanten schicken. Der so Ab-gefertigte entfernte sich. Als Piel und ich wieder in unserer gemeinsamenWohnung eintrafen, fiel der Gute mir weinend um den Hals, um mir zugestehen, warum er dem ihn beleidigenden Hauptmann nicht in gleicherTonart geantwortet habe. Er habe ebensoviel Mut wie irgendein Offizierund sei jeden Augenblick bereit, sein Leben einzusetzen, um einenMenschen zu retten oder bei schwerer Ansteckungsgefahr Kranke zupflegen. Aber ein Duell könne er nicht mit seinen religiösen Anschauungenvereinigen, schon weil die Möglichkeit ihn entsetze, vielleicht ohne letzteSakramente und ohne Absolution von dieser Erde zu scheiden.

Wie dies bei Duellen zu sein pflegt, verging der nächste Morgen inendlosen Verhandlungen zwischen dem Sekundanten des Gegners vonPhilipp Arenberg und meinem Sekundanten, einem schneidigen Rittmeistervon dem damals in Metz stehenden Dragoner-Regiment Nr. 10. Die Sacheendigte damit, daß der Beleidiger Philipp Arenberg um Vergebung bat underklärte, er habe niemals beabsichtigt, diesem ausgezeichneten Kavalierzunahezutreten, worauf ich meine Forderung zurücknahm. Am nächstenTage sagte mir Franz Arenberg, er würde mir mein Eintreten für seinenBruder niemals vergessen.Desormais entre nous cest ä la vie et ä la mort.Er hat sein Wort gehalten.

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