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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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IM WEISSEN SAAL

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Einladungen ergangen waren. Dem kronprinzlichen Paar gegenüber saßFürst Bismarck, rechts von ihm Andrässy, dann Beaconsfield , Schuwalow,Kärolyi, Salisbury, Oubril, Rüssel und mein Vater. Links von Bismarck saßen Waddington, Corti, Karatheodory, St-Vallier, Launay, Sadullah,Desprez, Mehemed-Ali, Hohenlohe . Der Kronprinz, dem zur Rechten dieKronprinzessin, zur Linken die Großherzogin von Baden saßen, brachte,wieder in französischer Sprache, den nachstehenden Toast aus:DieHoffnungen, mit denen ich vor einem Monat im Namen des Kaisers diezum Kongreß vereinigten ausgezeichneten Staatsmänner begrüßt habe,sind glücklicherweise in Erfüllung gegangen. Das von Europa so sehr ge-wünschte Friedenswerk krönt Ihre Anstrengungen. Als Dolmetsch derGefühle meines erhabenen Vaters bin ich glücklich, meine Huldigung derWeisheit und dem Geist der Versöhnung darzubringen, die dieses großeResultat herbeigeführt haben. Das Einverständnis, das erzielt wurde, wirdeine neue Bürgschaft für den Frieden und für das allgemeine Wohl sein.Der Beistand Deutschlands ist im voraus allem gesichert, was darauf ab-zielt, diese großen Wohltaten zu sichern und zu erhalten. Im Namen SeinerMajestät trinke ich auf das Wohlsein der Souveräne und Regierungen,deren Vertreter an dem denkwürdigen Datum dieses Tages unterzeichnethaben den Vertrag von Berlin. Ich saß neben Herbert Bismarck . Ingehobener Stimmung und mit stolzem Ausdruck sagte er zu mir:Das istheute ein großer Tag. Heute vor vier Jahren schoß der elende Böttcher-geselle Kullmann aus einem Terzerol auf meinen Vater und verwundete ihnam rechten Handgelenk. Heute hat mein Vater den Berliner Vertrag unter-zeichnet. 1814 fand der Europäische Kongreß in Wien statt. 1856 wurde derPariser Friede unterzeichnet. Jetzt erlebten wir den Berliner Kongreßund heute den Berliner Frieden. Prost, mein alter Bülow!

Nicht nur für die amtliche Stellung des Grafen Peter Schuwalow ,sondern für die Weiterentwicklung der Weltgeschichte war es kein Glück,daß er seine Abreise aus Berlin allzu lange verzögerte. Graf Schuwalow warein kluger, gewandter, liebenswürdiger und vornehmer Mann, aber wie somanche Russen huldigte er mehr als gut der Aphrodite pandemos. Beiseinen abendlichen Spaziergängen auf der Friedrichstraße , die er soimgeniert unternahm, daß er von der Berliner Polizei in diskreter Weiseüberwacht wurde, damit ihm keine Unannehmlichkeiten zustießen, hatteer die Bekanntschaft einer gefälligen Schönen gemacht, aus deren Armensich loszureißen ihm schwer wurde. So kam es, daß Gortschakow vor ihmin Petersburg bei Kaiser Alexander II. eintraf. Wie im alten plattdeutschenMärchen war der Swinegel schneller zur Stelle als der Hase. Mein Freund,der russische Flügeladjutant Baron von Ungern-Stemberg, hat mir mehrereJahre später das Wiedersehen zwischen Peter Schuwalow und dem Zaren

Peter

Schuwalows

Mißgeschick

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