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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
Entstehung
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IN BISMARCKS ARBEITSZIMMER

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ad hoc verfertigten Korrespondenzen aus München, Stuttgart und Dresden wurde an die alten Sympathien der Bayern, Schwaben und Sachsen fürdie Donau -Deutschcn erinnert, in Zuschriften aus den östlichen preußischenProvinzen die Kosakengefahr recht grell an die Wand gemalt. Die Meister-schaft, mit der dieser Pressesturm organisiert worden war, zeigte dieBismarcksche Löwentatze.

Sobald der Kaiser unterzeichnet hatte, ließ mich mein Vater kommenund beauftragte mich, sein von ihm selbst aufgesetztes Abschiedsgesuch Abschieds-dem Fürsten Bismarck zu überreichen, bei dem er telegraphisch eine gesuchvonAudienz für mich erbeten hatte. Der Fürst empfing mich in seinem da- Bulou,smaligen Arbeitszimmer, das später mir und meiner Frau während neunJahren als Eßzimmer diente. Er forderte mich auf, ihm gegenüber Platzzu nehmen. Groß, breitschultrig, schwer, mit dem buschigen Schnurrbartund den buschigen Augenbrauen, mit den großen, strengen, alles durch-dringenden Augen, saß der größte deutsche Staatsmann des neunzehntenJahrhunderts, einer der größten Staatsmänner aller Zeiten, der gewaltige,geniale Mann, mir gegenüber, dem kaum dreißigjährigen Legationssekretär.

Nachdem er das mit Gesundheitsrücksichten begründete Abschiedsgesuchmeines Vaters aufmerksam durchgelesen hatte, reichte er es mir mitden Worten zurück:Von einem Rücktritt Ihres Herrn Vaters kann garnicht die Rede sein, nicht einmal von einem mehr als dreimonatigen Urlaub.

Ihr Herr Vater ist mir unentbehrlich. Unter dem Druck der Sorge desSohnes um seinen lieben, guten Vater antwortete ich rascher und lebhafter,als es sich wohl geziemt hätte:Durchlaucht, mein Vater kann und darfnicht im Dienst bleiben. Es geht um sein Leben. Ich habe meiner Mutterversprochen, fest zu bleiben. Einen Augenblick sah mich der Fürst mitverwunderten, mit erzürnten Augen an. Um seine Mundwinkel zuckte es.

Ich hielt seinen zornigen Blick aus und wiederholte noch einmal:MeinVater muß aus der Tretmühle heraus, mindestens für diesen ganzen Winter.

Ich habe meiner Mutter versprochen, nicht eher zurückzukommen, bis ichdas erreicht habe.

Der Gesichtsausdruck des Kanzlers veränderte sich, sein Auge, seinganzes Mienenspiel bekam etwas Freundliches, fast Gerührtes, fast Weiches.

Es macht Ihnen Ehre, Herr von Bülow, sprach er zu mir,daß Sie sotapfer für die Wünsche Ihrer Frau Mutter eintreten, der ich mich zu Gnadenzu empfehlen bitte. Aber nun denken Sie sich auch einmal in meine Lage.

Als Nachfolger für Ihren Herrn Vater kommen nur zwei Diplomaten inFrage: Radowitz und Paul Hatzfeldt . Er kritisierte beide scharf, sehrscharf, fast allzu scharf. Ich töne seine Worte bei ihrer Wiedergabe erheblichab. Bismarck hat selbst gesagt, daß der Sinn für Anerkennung schwach,dagegen die Neigung zu tadeln stark bei ihm entwickelt sei.Radowitz,