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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
Entstehung
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XXXVII. KAPITEL

Die früher in Frankreich regierenden Familien Das Haus Bonaparte Die OrleansDer Herzog von Aumale Spionage Das Diplomatische Korps Monsignore Czaki

Der Prinz von Wales in Paris

W ährend meiner Pariser Dienstzeit war den Mitgliedern der früher inFrankreich regierenden Familien der Aufenthalt in ihrer Heimat nochnicht verboten worden. Von dem Hause Bonaparte merkte man nichtviel. Der Prince Imperial, von den Gegnern seines Vaters einstLulugenannt, war, kaum dreiundzwanzig Jahre alt, in Südafrika bei einemRenkontre mit Eingeborenen elend verblutet. Seine Mutter, die KaiserinEugenie, gewann es in jedem Frühjahr über sich, Paris zu besuchen und sichin einem Hotel einzuquartieren, aus dem sie auf die Stätte blicken konnte,wo einst die Tuilerien gestanden hatten, auf den Garten, wo ihr Sohn alsKind fröhlich gespielt hatte. Sie hat den Weltkrieg noch erlebt und ein Jahrvor dessen Ausbruch meine Schwiegermutter, Donna Laura Minghetti, inderen Villa Mezzaratta bei Bologna besucht. Sie hatte diese seit dem Aus-bruch des Deutsch -Französischen Krieges im Juli 1870 nicht wiedergesehen.Als sich die beiden alten Freundinnen nach so ungeheuren Ereignissenwiedersahen, brach die Kaiserin in Tränen aus und schluchzte laut. Siehatte die stärkste, die einzige Hoffnung ihres Hauses begraben, denn wassonst an Bonapartes noch lebte, konnte nichts für die Zukunft versprechen.Nach dem Tode des armenLulu warPion-Pion, der Prinz JerömeJfrdme Napoleon , Chef des Hauses Bonaparte geworden. Durch seine freigeistigeNapoleon Richtung und mehr noch durch den Zynismus, mit dem er seine Gottlosig-keit affichierte, war er diebete noire aller Frommen in Frankreich ge-worden, die vor vierzig Jahren einen größeren Einfluß ausübten als heute.Sein skandalöses Privatleben verstärkte noch die allgemeine Verachtung,die er sich durch seine Feigheit in allen französischen Kriegen, im Krim -Krieg, im Französisch-Österreichischen Krieg, im Deutsch -FranzösischenKrieg bei allen Parteien und in allen Klassen zugezogen hatte. Dabei warPlon-Plon durchaus nicht unbegabt. Ich bin ihm wiederholt begegnet. Erhatte äußerlich eine unverkennbare Ähnlichkeit mit seinem großen Oheimund war auch nicht ohne einen genialen Zug. Das erkannte Herbert