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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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AM ZIEL DER WÜNSCHE

Schadn am Neuen Markt stattfand, brachte mein Trauzeuge, der deutsche Botschafter in Wien , Prinz Heinrich VII. Reuß, einen Trinkspruch auf dieNeuvermählten aus, den er, zu mir gewandt, mit den Worten schloß:Peraspera ad astra! Noch am selben Tage meldete ich meinem Chef, demBotschafter von Schweinitz, meine Verheiratung. Mein lieber Freund FritzVitzthum, damals Zweiter Sekretär unserer Petersburger Botschaft,schrieb mir bald nachher, General von Schweinitz sei nach Empfangmeiner Meldung sehr erstaunt in die Botschaftskanzlei getreten.Das hätteich nicht gedacht, habe er zu den dort versammelten Beamten gesagt,daßdieser gescheite und geschickte Bülow eine Liebesheirat machen würde. Ichdachte, der würde sich eine Majoratserbin oder eine Dollarprinzessin aus-suchen. Vitzthum, der, wie früher in London mit Münster , so auch inPetersburg mit Schweinitz, kein Blatt vor den Mund nahm, hatte ent-gegnet:Exzellenz haben sich eben gründlich geirrt, wenn Sie Bülow füreinen gemütlosen Streber hielten. Uber meine Frau hatte Schweinitzgemeint:Sie ist genial begabt und dabei so harmlos wie meine zwölfjährigeTochter. Sie ist natürlich, aufrichtig und wahrhaftig. Keine Spur vonAffektation, Pose oder gar Snobismus. Sie ist eine Dame und jeder Stellunggewachsen.