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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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DER JUNGE PRINZ WILHELM

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unerfahren ist, liegt in seiner Jugend. Er ist aber auch unbesonnen und eitel.Er will alles besser wissen und alles entscheiden, ohne die hierfür erforder-lichen Eigenschaften zu besitzen. Er lechzt nach äußerlichen Triumphen.Der Schein ist dem jungen Prinzen Wilhelm leider wichtiger als der Kern.Andrerseits ist der große Kanzler mit dem Alter noch reizbarer, nochstarrer geworden. Er ist durch riesenhafte Erfolge wie durch die Güte undden Takt unseres alten Herrn sehr verwöhnt. Der einzige, der Einfluß aufden achtundzwanzigjährigen Prinzen Wilhelm hat, ist Waldersee . PrinzWilhelm wird ihn wohl einmal zum Reichskanzler machen.

Loe gab mir dann in seiner abgeklärten Art eine Charakteristik vonWaldersee :Als Militär ist er eine große Nummer. Ein starker Wille, einhelles Auge, Schneid, Entschlußfähigkeit, Findigkeit. Er ist aus dem Holz,aus dem Friedrich der Große seine Generäle und Napoleon seine Marschälleschnitzte. Aber ich sehe zwei Klippen. Er ist politisch und militärisch voneinem unbändigen Ehrgeiz beseelt, und er neigt zur Intrige. Ich glaube,daß er als Kanzler im Innern gegen die beiden ihm besonders verhaßtenParteien, die Sozialdemokratie und das Zentrum, gewaltsam Vorgehenmöchte. In Deutschland ist bei dem starken Rechtssinn unseres Volkes unddem föderativen Aufbau des Reiches ein Staatsstreich eine sehr ernsteSache, und ein prophylaktischer Krieg hat auch seine Bedenken. Waldersee glaubt, daß die Friedensliebe des Fürsten Bismarck darauf zurückzuführensei, daß der alte Kanzler persönlich saturiert sei und anderen keinefrischen Lorbeeren gönne. Aber es sprechen doch auch sehr gewichtige,sachliche Gründe gegen den prophylaktischen Krieg, den Bismarck nichtübel Selbstmord aus Furcht vor dem Tode genannt hat. Loe schloß seineAusführungen:Mein Wunsch wäre, daß Sie eintretendenfalls dem Reichs-kanzler Waldersee als Staatssekretär des Äußern zur Seite träten. Ichentgegnete ohne Besinnen, daß ich bei den alten, nahen Beziehungen, indenen ich von Kindesbeinen an zum Fürsten Bismarck und seiner Familiegestanden hätte, die direkte Nachfolge Herberts nicht übernehmen würde,wenn Fürst Bismarck unfreiwillig ginge. Der durch und durch ritterlicheGeneral verstand meine Auffassung, blieb aber dabei, daß Waldersee ohneeinen geschickten und erfahrenen Diplomaten neben sich ihm Besorgnisseeinflößen würde.

Inzwischen waren wir in Axenstein angekommen. Vor uns standen Grafund Gräfin Waldersee. Sie kamen gerade aus dem englischen Gottesdienst.In seinem langen schwarzen Gehrock und mit weißer Halsbinde erinnertemich der Graf bei dieser ersten Begegnung trotz seines militärischenSchnurrbarts an einen methodistischen Geistlichen. Dieser erste Eindruckwar natürlich nicht der entscheidende. In Uniform ich bin Waldersee später noch oft begegnet machte er eine glänzende militärische Figur.

Loe überWaldersee

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