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Vergleichende Statistik der Eisen-Industrie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein / von Wilhelm Oechelhäuser
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2. Die übrigen Länder in den fremden Welttheilen.

§. 40. Wenn wir in den Vereinigten Staaten einer Ent-wicklung der Eisenindustrie begegnet sind, die im Verhältniß zuder Bevölkerung selbst noch weit über die hinaus geht, welcheder erste Industriestaat Europas erreicht hat, so tritt der Gegen-satz um so greller hervor, wenn man nun andere überseeischeLander und Welttheile betrachtet. Verbreitet finden wir die Eisen-industrie auch dort fast überall, indeß quantitativ nur gering ent-wickelt und nach Methoden betrieben, die seit Jahrtausenden keineVeränderung erlitten haben. Erst an einzelnen Punkten hat dieeuropäische Cultur den Grundstein zu einer weiteren Ausbildungder überseeischen Eisenindustrie zu legen begonnen.

ES ist indeß sehr wahrscheinlich, daß im Lauf weniger Jahr-zehnte diese Verhältnisse sich bedeutend ändern. Der immer stei-gende Eisenverbrauch Europas muß mit der Zeit hier und dortdie vorhandenen Lager erschöpfen oder doch die Gewinnung ver-theuern. Alsdann werden sich von selbst die Augen Europas aus die noch kaum berührten mineralischen Schätze von Asien ,Australien und Amerika richten, wo es nur einer gleichen Thätig-keit bedarf, wie in den Vereinigten Staaten entfaltet worden ist,um an vielen Punkten eine gleich großartige Entwicklung hervor-zurufen.

Wir berühren nur kurz die Länder, welche in dieser Bezie-hung von Wichtigkeit zu werden versprechen. Dies dürfte vorerstOstindien sein, wo eine englische Gesellschaft bereits begonnenhat, die vorzüglichen und überaus reinen und reichhaltigen Erzeauf der Küste Korromandel nach europäischer Methode zu verhüt-ten. Das ostindische Eisen eignet sich insbesondere sowohl zurSchmelz- als zur Gußstahlbereitung. Seit alten Zeiten wurdenhier die berühmtesten Stahlsorten von den Eingebornen dargestellt,z.B. der Wootz, woraus man die ächten Damastklingen und diefeinsten chirurgischen Instrumente sabrizirt. Dessen Darstellunggeschieht in offenen Heerdfeuern, in kleinen transportabelen Oefen,ja selbst in Tiegeln direkt aus den Erzen. Man giebt sich gegen-wärtig in England große Mühe, die Verwendung des ostindischenan der Stelle des schwedischen Eisens für die Gußstahlfabrikation