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Vergleichende Statistik der Eisen-Industrie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein / von Wilhelm Oechelhäuser
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direkte Konkurrenz gebracht, indem auch graues Coakseisen undinsbesondere auch Wales Anthraciteisen verpuddelt worden sind.Offenbar ist nun der Puddelstahl aus Rohstahleisen ein weit vor-züglicheres und werthvolleres Fabrikat als der aus den letzter-wähnten Roheiscnsorten dargestellte. Allein nach Analogie sovieler Industrien, deren theureres Fabrikat trotz der ungleich bes-seren Qualität den Kampf mit dem geringeren aber wohlfeilerenProdukte nicht bestehen konnte, ist hier wohl genügender Grundzu der Besorgniß vorhanden, daß die Rohstahleisenerzeugung inZukunft von der Konkurrenz des ausländischen Roheisens nochmehr als von der des fertigen Stahls bedrängt werden dürste,und wenn sich auch bei der Neuheit der Puddlingstahlfabrikationdie Verhältnisse noch nicht vollständig übersehen oder in Zahlenfeststellen lassen, so fordern doch die Erfahrungen der jüngsten Zeitauf's Dringendste auch vom Standpunkte der Rohstahleisenpro-duktion zur Erhaltung des Roheisenzolls auf.

Auf dem linken Rhcinufer haben wir im rheinischen Haupt-bergdistrikt der Dürener und Saarbrücker Eisenbezirke zu er-wähnen.

Im Dürener Bezirk liegen für die Roheisenerzeugung dieVerhältnisse ganz ähnlich wie im Siegenschen Distrikt, nur ste-hen die Kohlenpreise wohl durchschnittlich um 4 bis 5 Sgr.pro Tonne oder pro Centner Roheisen billiger. Dort wie hierberuht die ganze Zukunft der Industrie auf der Erbauung einerEisenbahn nach den Steinkohlendistrikten, um aus den Betriebmit Coaks übergehen oder die Erze nach den Steinkohlen deöJnde- und Wormreviers verführen zu können. Bis diese aus-geführt ist, genügt wohl ein Zoll von 10 Sgr. pro Centner zurErhaltung des gegenwärtigen Bestandes, allein bei der geogra-phischen Lage zu Belgien hat dieser Normalzoll nie die mindesteBedeutung für die Eisenindustrie des Dürener Distriktes gehabt.Daß aber der Zoll von 5 Sgr., wie er gegen Belgien besteht,die Wirkung eines Schutzzolles vollständig verfehlt hat, dies be-weist erstens der Rückschritt der Holzkohleneisenerzeugung, undzweitens das gänzliche Zurückbleiben des Coakshüttenbetriebs,wofür doch selbst abgesehen von den Bezirken, wo bis jetztmit Holzkohlen gehütlet wird im Stollberger Kohlenrevier dievorzüglichsten Grundlagen vorhanden sind. Das Schleidener