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Vergleichende Statistik der Eisen-Industrie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein / von Wilhelm Oechelhäuser
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Allgemeinen sagen, daß seine Tendenz eine Vertheuerung um denZollbetrag sei. In erster Ordnung soll vielmehr die Vertheuerungder auslandischen Waaren nebst den Finanzzwecken eine Sicherungdes inländischen Marktes für die inländische Industrie bewirken,während erst in zweiter Ordnung eine vorübergehende Ver-theuerung des inländischen Erzeugnisses, und zwar auch nur insolchen Ausnahmefällen bezweckt wird, wo die Anstrengungender einzelnen Industriellen nicht ausreichen, das vorangeschritteneAusland ohne Zeitverlust wieder einzuholen.

Dieß ist die Tendenz des Schutzzolls. Sie wäre freilichfür die Praris bedeutungslos, wenn dessen Wirkung eine anderewäre, wenn thatsächlich eine Vertheuerung des inländischen Pro-dukts um den Zollbctrag, und wenn überhaupt auch eine Ver-theuerung solcher Erzengnisse stattfände, deren Selbstkosten im An-lande nicht hoher wie im Auslande stehen. Allein man vergleichedie in- und ausländischen Waarenpreise, ob dieß dann auch derFall ist. Wie eklatant hat nicht neuerdings die Londoner In-dustrieausstellung den Satz von der Vertheuerung um den Zoll-betrag Lügen gestraft, namentlich auch in Bezug auf den Zoll-verein! Fast in allen couranten Waaren liefern wir gleich billig,ja theilweise billiger als irgend eine andere Nation, mögen unsreZölle darin hoch oder niedrig stehen; ja unter den höchst besteuer-ten Artikeln gehören viele zu den allerbilligsten. Haben nichtdie Kritiker aller Nationen gerade die außerordentliche Bil-ligkeit aller couranten Waaren als den hervorspringend-sten Zug der zollvereinsländischen Industrie bezeichnet? DasEisen ist unter den wenigen Artikeln, worin der Zoll allerdingsnoch eine relative Vertheuerung bewirkt, und selbst hierbei habensich bereits viele aus den besseren Eisensorten dargestellte Fabri-kate, z. B. Waffen, Maschinen, Scheeren, Sägen, Werkzeuge u.f. w. zu vollkommener Conkurrcnzfähigkeit auf dritten Märktenerhoben.

Allein auch abgesehen von den thatsächlichen Preis-Verhält-nissen, auf die wir zurückkommen, kann das Dogma von der Ver-theuerung und den vollen Zollbetrag auch der einfachsten theore-tischen Erörterung nicht Stand halten. Diesseits wie jenseits derZollschranken reguliren sich alle Waarenpreise durch die Konkurrenz,durch das Verhältniß von Nachfrage zum Angebot. Nun können

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