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Vergleichende Statistik der Eisen-Industrie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein / von Wilhelm Oechelhäuser
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Ueber die Mittel zur Verringerung der Selbstkosten desinländischen Eisens.

s. 57, Wie nun unsere Eisenindustrie seit 1844 thatsäch-lich auf dem richtigen Wege der Entwicklung ist und auch aufdemselben, was Ausdehnung der Produktion und technische Ent-wicklung betrifft, so rasch fortgeschritten ist, als es bei den be-kannten Hemmungen erwartet werden konnte, wie namentlichdie Produktionskosten und Preise sich schon bedeutend verminderthaben, so bleibt nun schließlich der Beweis zu führen, daß dieserWeg auch weiterhin bis zur vollkommenen Konkurrenzfähigkeitführen könne und werde.

Man hat früher von gegnerischer Seite erst noch einen Vor-beweis verlangt, daß nämlich unser Reichthum an Eisenerzen undKohlen genügend sei, um den inneren Bedarf nachhaltig zudecken. Es hieße indeß eine große Unkenntniß mit unseren geo-gnostischen Verhältnissen und namentlich auch mit den seit 1844gewonnenen Aufschlüssen voraussetzen, wenn man heutzutage nocheine derartige Erörterung für nöthig halten würde. So vielsteht fest, daß der Zollverein an Eisenreichthum England undBelgien nichts nachgiebt, ja daß einzelne unsrer Eisenreviere,z. B. Nassau, Siegen, Schlesien , für sich allein hinreichen, dendoppelten Eisenbedarf des ganzen Zollvereins auf Jahrhundertehinaus zu decken.

Jener Einwand ist also nichtig, wird heutzutage auch nurselten mehr gehört. Desto mehr aber der übrigbleibende und inletzter Instanz entscheidende: daß wir nie durch den Schutzzoll zueiner Ermäßigung der Selbstkosten des Eisens gelangen würden,um mit dem Ausland frei konkurriren zu können.

Durch den Schutzzoll selbst werden wir allerdings nie dahingelangen. Der Zoll ist nur ein Palliativmittel, wäh-rend die Radikalkur unsrer kranken Eisenindustrienur in der Wegräumung der Ursachen liegt, welchebis jetzt unser Eisen vertheuern. Der Zoll soll eines-theils anreizen, vorhandene günstige Grundlagen zur Erwei-terung der Industrie zu benutzen, andererseits den bestehenden

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