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Vergleichende Statistik der Eisen-Industrie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein / von Wilhelm Oechelhäuser
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differentielle Bevorzugungen imWege vonHandels-Verträgen zu erstreben.

In ersterer Beziehung bieten die neueren Vorgänge in derSchweiz den Regierungen Gelegenheit dar, die Fürsorge für dieInteressen unserer Eisenindustrie zu bethätigen. Während früherEisen und Eisenfabrikate dort nur 4 und 8 Kreuz. Eingangs-zoll zahlten, wurden sie seit 1. Febr. 1850 durch den neuenschweizerischen Zolltarif auf weit höhere Sätze (siehe §. 41.) ge-bracht. Bleibt nun auch die Regelung des Tarifwesens eine in-nere Angelegenheit jedes Staates, so lag doch sicherlich in denbedeutenden differentiellen Begünstigungen, die der Zollverein seit1834 einer großen Zahl schweizerischer Produkte ohne alle Gegen-konzessionen eingeräumt hatte, eine Verpflichtung für jenen Staatbei Aenderungen seines Zollsystems hierauf gebührende Rücksichtzu nehmen. Allein gerade umgekehrt, ordnete der neue Tarifdifferentielle Benachtheiligungen unseres Eisens an, indem er eng-lisches Erzeugniß bedeutend bevorzugte. So zahlten englischesStabeisen und Blech nur 8 und 20 Kr., während alles übrige40 Kr. zu tragen hatte. Erfolgte nun auch auf die diesseitigenVorstellungen hin die Erklärung, daß mit der Bezeichnungeng-lisch " nicht das Produktionsland, sondern nur gewisse Sorten ge-meint seien, und ist auch demnächst jenes Wort aus dem Tarifentfernt worden, so hat dies doch den eigentlichen Stand derSache nicht verrückt. Denn man hat jetzt eine bestimmte Preis-grenze gezogen, so daß billigeres Eisen den niedrigen, theureresden hohen Zollsatz zahlen muß. Da aber nun die Preise desdiesseitigen Fabrikats namentlich die feinen Qualitäten badi-schen Eisens, die bisher hauptsächlich eingingen über dieseGrenze fallen, so hat die vorgenommene Aenderung lediglich eineformelle Bedeutung, und unser Interesse bleibt nach wie vor ingleicher Weise verletzt. Die vorgenommene Suspension allerfrüheren Begünstigungen, welche der Zollverein der Schweiz ge-währte, zeugt von dem Ernste der Regierungen, unser Interessein dieser Beziehung zu wahren. Hoffen wir, insbesondere fürdie hartbedrängte Eisenindustrie Badens und Sigmaringens, daßein nicht blos formell, sondern auch thatsächlich zufriedenstellenderErfolg errungen werde.

Was die zweite Aufgabe unserer ausländischen Handelsvo-