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Vergleichende Statistik der Eisen-Industrie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein / von Wilhelm Oechelhäuser
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lungsprozesses und Reduzirung der Selbstkosten gegeben ist, sowürden die diesseitigen Consumenten an den Vortheilen der Pro-duzenten in gleichem Verhältniß partizipiren.

Stellen wir uns nun in dieser Frage auf den Standpunktdes rein österreichischen Interesses, so haben wir bereits oben(§. 31.) ausgesprochen, daß der dortige Konflikt zwischen Pro-duktion und Consumtion viel weiter geht als im Zollverein, unddaß dort in höherem Grade subjektive Ursachen im Spiele sind.Die nothwendige Vermittlung dieses Confliktes kann aber weitbesser, als durch künstige Bemessung der Zollsätze gegen die über-mächtige Industrie Englands und Belgiens , durch Zulassung derKonkurrenz eines Nachbarstaates bewirkt werden, wo die Grund-lagen der Eisenindustrie nicht günstiger, sondern nur etwas weiterbereits entwickelt sind. Ein solcher gleichmäßiger und ganz er-träglicher Druck durch die Konkurrenz deS Zollvereins wird dieEntwicklung der österreichischen Eisenindustrie nicht hemmen, son-dern nur fördern. Ueberdieß läßt sich noch ein solches Steigender Eisenconsumtion in Oesterreich voraussehen, vermehrt siesich um 5 Millionen Centner jährlich, so hat sie verhältnißmäßignoch nicht einmal die jetzige Höhe der Zollvereinsconsumtion er-reicht daß selbst der bedeutendste Absatz vereinsländischen Eisens,und sei eS mehr als eine Million Centner jährlich, die quan-titative Entwicklung der dortigen Industrie nicht beeinträchtigen wird.

Aber auch vom Standpunkt der österreichischen Produzentenaus, bietet sich sofort ein Aequivalent für die diesseitigen Vor-theile des Absatzes in Eisen. Wenn nämlich bei den jetzigenSätzen des Zollvereinstarifs (Thlr. 1. 15 Sgr, pro Centner)jährlich 16 20,000 Centner steirischen Schmelzstahls ausOesterreich eingeführt werden konnten, so steht natürlicherweiseeine außerordentliche Steigerung zu erwarten, wenn diese Be-lastung weggeräumt ist. In der That hatten die diesseitigenCtahlproduzcnten zu den gegen die Verkehrsfreiheit mit Oester-reich geäußerten Bedenken ganz trifftige Gründe, während diemeisten von ihnen allerdings einsahen, daß die allgemeinen Vor-theile einer solchen Maaßregel den Nachtheil, den sie speziell zuerwarten hätten, mehr als ausgleichen müßte. Uebrigens steht,uach den neuesten Fortschritten, die Krupp in Essen, Huth undComp. in Hagen und andere Fabrikanten jener Gegend in der