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England und Deutschland, eine wirtschaftspolitische Studie : Festschrift zur Feier des Geburtstages... des Großherzogs Friedrich... / v. Schulze-Gaevernitz
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Verteidigung, verloren haben, in schwerster und furchtbarster Weise miss-handelt werden. Wenn wir Insulte verhindern wollen, müssen wir imstandesein, sie zurückzuweisen. Wenn wir den Frieden wollen, muss es be-kannt sein, dass wir zu jeder Zeit zum Kriege fertig sind. In der Tat,es ist eines grossen Kulturvolkes unwürdig, sein Daseinauf die Duldung eines vielleicht wohlwollenden, vielleicht feind-lichen Nachbars zu stellen.

Neben mancherlei anderen Erwägungen, welche für den Flottenbauins Feld geführt werden, liegt der entscheidende Punkt doch in derdeutsch- englischen Frage. Wir bedürfen der Flotte, um die Handels-eifersucht Englands in unschädliche Grenzen zu bannen und dem nüch-ternen Sinn des englischen Volkes die für uns hochgefährlichen Angnffs-gedanken zu verleiden. Mit der englischen Flotte muss in einementsprechenden Abstande nach unten, wie für Verteidigungszwecke ge-nügt in Zukunft auch die deutsche Flotte wachsen.

Über den Friedensschutz hinaus verlangt das deutsche Volk zwarnicht Eroberung, wohl aber eine gewisse Wahrnehmung seiner überseeischenInteressen durch die Reichsgewalt. Wenn es dies verlangt, so muss esseinen Diplomaten das Werkzeug in die Hand geben, ohne welches sienichts als schwächliche Bittsteller sind und besser zu Hause bleiben: eineschlagfertige Flotte, die, wenn schon zweiten Ranges, doch als Bundes-genossin wie als Gegnerin nicht gleichgültig ist. In nächster Zukunftdürfte es sich weniger um Kolonialerwerb für uns handeln, als um dieErhaltung des offenen Marktes für alle und um die Abwehr fremderEroberungen, z. B. auf dem Boden der noch unabhängigen mohame-danischen Welt. Sollte in Zukunft einmal die Liquidation alternderKolonialmächte hereinbrechen, so muss Deutschland die Macht besitzen,neben Grossbritannien an ihr teilzunehmen.

Für Frieden und Verständigung ist es von Wichtigkeit, dass England den deutschen Flottenbau als unabwendbare Tatsache hinnimmt. In dieser

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