Ein offenbar sehr sachkundiger Artikel der deutschen Marine-rundschau Juni 1902 begründet die Unmöglichkeit eines deutschen An-griffskrieges gegen England für alle praktisch in Betracht kommendeZukunft. Die „überraschende Invasion“, mit der General Mercier in denTagen von Faschoda spielte, sei angesichts des modernen Nachrichten-dienstes eine Chimäre. Eine Invasionsarmee vorzubereiten, erfordereWochen. Der grösste Transporter sei wehrlos gegenüber dem kleinstenTorpedoboote. Eine Landung sei im feindlichen Feuer unmöglich; gelingesie, so bleibe sie so lange wirkungslos, ehe nicht Pferde, Geschütze, so-wie ein riesiger Train (in einem Lande wie England vor allem grosseMengen von Nahrungsmitteln) gelandet seien. Die Durchführung einerderartigen Landung sei nur möglich unter dem Schutze einer das Meerschlechthin beherrschenden Schlachtflotte. Insofern hatte Balfour recht,wenn er den Gedanken einer Invasion als Utopie aus dem Bereiche derpraktischen Möglichkeiten ausschied. In dieser Hinsicht stimmen augen-scheinlich die massgeblichen Kreise der deutschen Marine mit dembritischen Reichsverteidigungsausschuss überein 33 .
Dringt aber erst die Einsicht durch, dass Deutschland und England sich gegenseitig nicht vernichtend treffen können, und dass ihr Krieglediglich dritten Mitbewerbern zugute käme, so muss trotz alles Jingotumsauf beiden Seiten der Weg einer Verständigung sich finden lassen 34 . Isterst der Gipfel der politischen Gefahr überklommen, so dürfte es möglichsein, die nachfolgenden wirtschaftlichen Weiten in friedlicher Gemeinschaftzu durchwandern.