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werden gegen ebenso eigentümlich deutsche Waren wie Teerfarben,Klaviere und Spielzeug zu etwa gleichen Werten getauscht. Noch beträgtder Anteil der deutschen Hochseefischerei erst ein Drittel des heimischenFischbedarfs 39 . Deutschlands Markt öffnet sich britischen Luxusartikeln,wobei das Schwinden französischer, das Vordringen englischer Einflüsseim deutschen Lebenszuschnitt seine Rolle spielt. Dieser Umschwung aber,der doch die Rückkehr zu unserer eigensten Grundlage bedeutet, vollziehtsich „mit zwingender Strenge“ 40 .
Trotzdem wird — angesichts der Tab. IV mitgeteilten Ziffern — denbritischen Finanzreformern zuzugeben sein, dass Deutschland im Verhältniszu England mehr und mehr in die Rolle des exportierenden Industriestaateshineinwächst. Insbesondere bahnt sich auf dem Gebiete der Textilindustriezwischen beiden Ländern eine ausserordentlich reich gegliederte Arbeits-teilung an, wobei — vorwiegend in zweiten Qualitäten — Deutschlanddas Übergewicht behauptet. Der britischen Kohlenausfuhr nach Deutsch-land entspricht die Ausfuhr des höher verarbeiteten deutschen Zuckersnach England. Diese Ausfuhr ist allerdings kein sicherer Besitz Deutsch-lands , da der koloniale Rohrzucker, dessen Bundesgenossin die tropischeSonne ist, früher oder später den Rübenzucker auch von Freihandelsmärktenverdrängen dürfte. Diese Verdrängung hat sich unter dem Druck handels-politischer Massregeln in Canada jäh vollzogen. (Vergl. Tab. VI.)
Aber wenn für Deutschland der englische Markt heute immerhinwichtiger sein mag, als der deutsche Markt für Grossbritannien , so liegtdas Verhältnis zum britischen Weltreich gerade umgekehrt. Deutschland ist von allen Ländern der Welt der kaufkräftigste Abnehmer grösser-britischer Rohprodukte und besitzt im Verhältnis zum britischen Reicheine entschieden passive Handelsbilanz. (Vergl. Tab. III.) Deutschland ist,wie ich an andrer Stelle nachzuweisen suchte, gegenüber manchenbritischen Herrschaftsgebieten, z. B. Indien, als überwiegender Käufernicht ohne Retorsionskraft.