94 Ode».
V.
Dcr Tod eines Freundes.
Hat, neuer Himmclsbnrger, sich
Dein geistig Ohr nicht schon des Klageton entwöhnet,
Und kann ein banges Ach nin dich,
Das hier nud da ein Freund bey stillen Thränen stöhnet,
Dir unterm jauchzenden Empfangen
Der bessern Freunde hörbar seyn,
So sey nicht sür die Welt, mit unserm Schmerz zu prangen,Dieß Lied- es sey für dich, für dich allein!
Wann war es, da auch dich noch junge Rosen zierten?
(Doch nein, die Rosen ziertest du!)
Da Freud' und Unschuld dich im Thal dcr Hoffnung führten
Dem Alter und der Tugend zu?
Gesichert folgten wir: als schnell, ans schlauen Hecken,
Dcr Unerbittliche sich wies,
Und dich, den Besten, uns zu schrecken,
Nicht dich zu strafen, von uns riß.
Wie ein geliebtes Weib vom steilen °) Ufer blicket
Dem Schiffe nach, das ihre Krön' entreißt:
Sie steht, ein Marmorbiid,") zu Stunden unverrückct:
In Augen ist ihr ganzer Geist:
So standen wir betäubt und angeheftet,
Und sannen dir mit starren Sinnen nach,
Bis sich dcr Schmerz durch Schmerz entkräftet,
Und strömend durch die Augen brach.
Was weinen wir? Gleich einer Weibcrsage,
Die im (5ntstehn schon halb vergessen ist.
Flohst dn dahin! — Geduld! noch wenig Tage,
Und wenige dazu, so sind wir was du bist.
Ja, wenn der Himmel uns die Palme leicht erringen,
Die Krone leicht ersiegeu läßt,
So werden wir, wie du, das Alter überspringen,
Des Lebens unschmackhaftcn Rcst.
°) steincrn 175Z. °°) Sie stchet, Stein aus Stci», 47-53.