Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
124
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Fabeln

Anhang,

aus dcn (5rmuntcrungcn zum Vergnügen des Gemüths, 1747.

Der Wunsch zu sterben.Ei» durch die Jagd ergrimmter BärLatscht hinter einem Wandrer her.Ans Rache will er ihn zerrcisscn.

(Das mag dem Wandrer wohl ein nnvcrdicntcs Unglück hcisscn.)

Aus Rache, dummes Thier? wird mancher Leser sprechen,

Kannst dn dich nicht an deinen Jägern räche»?

O schimpft mir nicht daS gute Vieh:

Es folgt dcn Trieben nur; Vernunft regiert es nie.

Es hat ja unter uns - - ° was sagt ich? nein - - bey Hunden

Gewiß nicht wenige von gleicher Art gefunden.

Geschwinde! Wanderer, geschwind und rette dich.

Er läuft, der Bär läuft nach. Er schreyt, will sich verstecken,

Der Bär nicht faul, sucht ihn, bricht brummend durch die Hecken,

Und jagt ihn wieder vor. Der ändert oft den Lauf;

Bald rechts, bald vor, bald links. Doch alle diese Ränke

Sind hier umsonst. Warum? Der Bär hat auch Gelenke.

Gewiß so eine Jagd wär mir nicht lächerlich!

Jedoch zu was wird sich dcr Wandrer nun entschließe»?

Er springt dcn nächsten Baum hinauf.

O! das wird niemand wohl das beste Mittel nennen.

Er mußte doch in aller Angst nicht wissen,

Daß Bäre gleichfalls klettern können.

Das tolle Thier erblickt es kaum,

So stutzt es, brummt und kratzt dcn Baum,

Es bäumt dcn schweren Lcib, cs sctzt die Vordcrlatzen

An Rind und Acstcn cin, so schnell, als scheue Katzcu.

So langsam gcgcnthcils hebt cs dcs Körper« Wucht;

Doch kömmt cs schon so hoch, daß dcr dcn Gipfel sncht.

Was giebt uns oft die Angst nicht cin?

Dcr Wandrcr sucht dcs Fcindcs loß zu seyn.

Er stößt, und stößt dcn Fuß mit voller Lcibesstärke

Dem Bäre vor dcn Kopf. Doch große Wunderwerke

That dieses Slößchcn nicht. Wie kann cs anders scvn?

Wer Bäre tödten will, braucht dcr dcn Fnß allein?