Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
125
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und Erzählungen.

Er taumelt nur, anstatt zu fallen,

Und fasset schnell mit seinen Kralle»

Des Wandrers Fuß, der nach ihm stieß.

Er hält ihn, wie ein Bär. Durch Zerren nnd durch Vcissen

Sucht er den Raub hcrabzurcisscn.

Jedoch je mehr er ricß,

Jcmchr hält jener sich

An Acstcn fest nnd ritterlich.

Wenn Witz und Tapferkeit uns nicht erretten kann,

Beut oft das blinde Glück uns seine Rettung a».

Der wutend plunipc Bär

Ist für den dünnen Ast zu schwer;

Der bricht, und er fällt schlitternd schnell zu Boden.

Der Fall bringt ihn fast um den Oden,

Und keuchend schleicht er zornig fort.

Bon Schrecken, Furcht und Schmerzen eingenommen,

Sicht kaum der Wanderer, daß er der Noth entkommen.

Nun lobt er wohl, durch jedes Wort,

Mit zärtlich dankbarem Gemüthe^

Des Himmels unverhoffte Güte?

O weit gcfchlct! nein! mit zitternd schwacher Sprache

Flucht, lästert, schreyet er selbst wider Gott um Rache.

Er kriecht vom Baum herab und läßt sich murrend nieder.

Sein nasses Auge sieht das Blut der wunden Glieder.

Der Schmerz verführet ihn, daß er den Tod begehrt,

Den Tod, vor dem er sich mit Flichn nnd Schrcv» gewehrt.

Bald flucht er auf den Bär, der ihn nicht ganz zerrisse«;

Bald flncht er auf sich selbst, daß er sich rette» müssen.

O »ährc dich, erwünschter Tod!

Benimm mir Leben, Schmerz und Noth!

Entführ mir dieser Wunsch doch mit dem letzten Hauche!"

St! St! was raschelt dort, dort hinter jenem Strauche?

Beglückter Wanderer! dein Wunsch ist schon erhört.

Es kömmt ein neuer Bär, der dich im Klagen siöhrt.

Ein Bär? Erschrick nur nicht! Ein Bär.

Ohn Zweifel schickt der Tod ihn her.

Der Tod? Ja, ja, der Tod, den du gcwünschet hast,

Gcwünschct und erfleht.Das ist ein schlimmer Gast.

Der Henker! weis er denn gar nichts von Eomvlimcntcn?

Wenn meine Beine mich doch nur erretten konnten!"