Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
126
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Fabeln

Mit Mühe sucht cr aufzustchn;

Doch kann cr nicht vom Flcckc gehn.

Hier kam ihm schncll cin ander Mittel ein,

Das ihm vorher nicht eingekommen.

Er hatt' es einst (zehn Jahre möcht cS seyn)

Bon einem Reisenden vernommen,

Und hatt' es nie, mir in der Noth, vergesse»,

Daß Bare selten Todte fressen.

Sein Einfall wirft ihn hurtig nieder;

Die schon vor Schrecken kalten Glieder

Streckt cr starr von sich weg, so sehr cr immer kann,

Und halt den Oden mühsam an.

Der Bär beschnopcrt ihn, findt keines Lebens Spur,

Mag sich an Todten nicht begnügen,

Kehrt sittsam um, und brummet nur,

Und läßt den Schalk in Ruhe liegen.

Was ist bey dir cin Wunsch? Mein Freund, laß michs verstehen.

Du wünschst dcn Tod: cr kömmt; du suchst ihm zu cntgchcn.

Steh auf! der Bär ist fort. Was fluchst du ihm noch »ach?

Zum Danke, daß cr dir nicht Hals »»d Bcme brach?

Was soll die Lästcruug? Bcrringcrt sic die Schmerzen?

Noch wünschest du dc» Tod? Das geht dir wohl vo» Herzen?

Nur Schade, daß cr dich vorhin so spotlc» sah:

Sonst wär er warlich längst auf dcin Ersuchcn da.

Dcr schwühlc Tag vergeht; der Abend bricht herein.

O könnt' er, in gcborstiicu Feldern,

Wie kurch die Hitze matten Wäldern,

Mein Wandrer, ebenfalls dir zur Erquickung scvn!

Man ficht die Luft, sich abzukühlen,

Mit siummcn Blitzcn häufig spielen.

O! schreyt der Wanderer, zög sich cin Wcttcr auf!

O hcmmtcn Blitz und Schlag mir Pein und Lcbcnslauf!"

Schncll zcigt dcr Donnergott dem Wunsche sich gewogen.

Des ganzen Himmels weite Ferne

Verdeckt viel Dunst; die hellsten Stcrnc

Sind schwarz mit Wolken überzogen,

Schncll fährt dcr Blitz hcraus, kracht hicr und dort cin Schlag.Auf, Wandrcr, frcnc dich! das ist dcin Stcrbctag!Nun wird dcr Tod auf DonncrkcilcnZu dir vcrlaßncm Armen cilcn.