Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
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Fabeln. Drey Bücher.

1759.")

Erstes Buch.4. Die Erscheinung.

^n dcr cinsamstcn Ticfe jcncs Waldes, wo ich schon manchesredende Thier belauscht, lag ich an cincm sanften Wasserfalleund war bemüht, cincm mcincr Mährchcn dcn lcichtcn poetischenSchmuck zu gcbcn, in welchem am liebsten zu erscheinen, l«Fontaine die Fabel fast verwöhnt hat. Ich sann, ich wchltc,ich verwarf, die Stirne glühte Umsonst, cs kam nichtsauf das Blatt. Noll Unwill sprang ich auf; abcr sich!auf cinmal stand sic sclbst, die fabclndc Muse, vor mir.

Und sic sprach lächclnd: Schüler, wozu diese undankbareMühe? Die Wahrheit braucht die Anmuth der Fabel; abcrwozu braucht die Fabel die Anmuth der Harmonie? Du willstdas Gewürze würzen. Genug, wenn die Erfindung des Dichtersist; der Nortrag sey des ungekünstelten Geschichtschreibers, so wieder Sinn dcs Wcltwciscn.

Zch wollte antworten, abcr die Muse verschwand.Sicverschwand? höre ich cincu Lcscr fragen. Wenn du uns dochnur wahrscheinliche- tauschen wolltest! Die seichten Schlüsse,auf die dein Unvermögen dich führte, der Muse in den Mundzu lcgcn! Zwar ciu gewöhnlicher Betrug"

Bortrcslich, mein Lcscr! Mir ist kcinc Muse erschienen. Zchcrzchltc eine bloße Fabcl, aus der du sclbst dic Lchrc gczogcn.Ich bin nicht dcr crstc und wcrde nicht dcr lctztc scyn, dcr seineGrillen zu Orakclsprüchcn einer göttlichen Erscheinung macht.

°) Felqcndc stchm scho» im ersten Theile dcr Schriften, 1753. II, 10. 1,14.III. 15, I. 29. 17. II, 7. S,