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Fragmente.
Hier rede frey mit mir, so wie zum Freund ein Freund,Der, was er ihm entdeckt, nur laut zu denken meint,Kein fremder Zeuge horcht, geschickt dich roth zu machen,Kein seichter Spötter droht ein nichts bedeutend Lachen.Dich höret, ist ein Gott, nur Gott und ich allein.Doch rede; sollte gleich die Welt mein Zeuge seyn!
Seit dem Ncugier und Zeit mich aus dem Schlummer weckten,Die Hände von dem Spiel sich nach den Büchern streckten,Und mir das leere Hirn ward nach und nach zur Last,Welch Bild hab ich nicht schnell und gierig aufgefaßt?Kein Tag verstrich, der nicht mein kleines Wissen mehrte,Mit dem der junge Geist sich stopfte mehr als nährte.Der Sprachen schwer Gewirr; das Bild vergangner Welt,Zum sichern Unterricht der Nachwelt aufgestellt;Der Alterthümer Schutt, wo in vcrlaßnen TrümmernDes Kenners Augen noch Geschmack und Schönheit schimmern;Der Zunge Zauberkunst, die den achtsamen Geist,Wie leichte Spreu ein Nil, dem Strom nach folgsam reißt;Und sie, noch meine Lust, und noch mein still Bemühen,Für deren Blicke scheu unwürdge Sorgen fliehen,Die Dichtkunst, die ein Gott zum letzten Anker gab,Reißt Sturm und Nacht mein Schis vom sichern Ufer ab: - -Die sinds, worinn ich mich fern von mir selbst verirrte,Mein eigen Fach vergaß, begierig fremder Wirthe.Judessen glimmte still, am unbekanntsten Ort,Durch Nachsicht angefacht, des Lasters Zunder fort.Gern wär er, allzugern, in Flammen ausgeschlagen,Die in die Saat des Glücks Tod nnd Verwüstung tragen,Und die kein Thränenmeer mit Reu zu löschen weis:Doch Zeit zum Uebelthun versagte mir mein Fleiß.So schien ich, in der Still um Todte nur bemühet,Mir tugendhaft und dem, der nicht das innre siehet.
Die Thorheit die mit Schall die stolzen Ohren nährt,Mit Lob, das, reich an Pest, aus giftgen Schmeichlern fährt,Die Ruh für Titel giebt, und Lust für Ordensbänder,Der flüchtgen Königsgunst vergebne Unterpfänder,Die groß wird sich zur Last, und wahres Glucke scheuet,Weil dies sich ungeputzt in stillen Thälern freuet,