Gedichte. 2»1Licd aus dem Spanische».
Gestern liebt' ich,Heute leid' ich:Morgen stcrb' ich.Dennoch denk' ichHeut' und morgenGern an gestern.
Die Diebin. 1745.
Tu Diebin mit der Rosenwange,
Du mit den blauen Augen da!
Dich mein' ich! — wird dir noch nicht bangeZ
Gesteh' nur, was ich fühlt' und sah!
Du schweigst, doch deine RoscnwangeGlüht schuldig, röther, als vorhin,O Diebin mit der Roscnwange,Wo ist mein Herz, wo kam es hin?
Phillis. 1746.
Wenn der finstre Dämon spricht,Amor sey ein Ungeheuer,Seine Glut ein höllisch Feuer!O so fürcht ich Amorn nicht.
Aber hebt mein ThirsiS an,Amor sey ein Kind zum Küssen,Schalkhaft, schmeichelnd und beflissen:O wie fürcht ich Amorn dann!
Bacchus und Helena. 1748.Ehret Brüder, meine Schöne,Ehrt die gallische Helene!Bacchus selber ehret sie.Jüngst an ihrer stolzen Rechte,Als er mit uns beyden zechte,Ward er, denn sie schenkt ihm ei»,Voller noch von Lieb als Wein.