vcdichtc.
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An Herrn Glcim.
Umsonst nistet Kalliope dcn Geist ihres Lieblings zn hohen Liedern, znLiedern von Gefahren nnd Tod nnd hcldcnmülhigcm Schweiße — —
Umsonst; wenn das Geschick dem Lieblinge den Held versagt, imd bcvdcin verschiedenen Jahrhunderten oder veruneinigten Ländern gebohrcn worden.
Mit dir, Glcim, ward es so nicht! dir fehlt weder die Gabc den Heldenzu singen, noch der Held. Der Held ist dein König.
Zwar sang deine frohe Jugend, bekränzet vom roscnwangigten Bachus,nur von feindlichen Mädchen, nur vom streitbaren Kclchglaß.
Doch bist du auch nicht frcmd im Lager, nicht fremd vor dcn feindliche»Wällen, nntcr brausenden Roßen.
Was hält dich noch? Singe ihn, deinen König! deinen tapfern, dochmenschlichen; deinen schlaucn, doch rdcldcnkcndcn Friedrich.
Singe ihn an der Spitze seines Heeres, an der Spitze ihm ähnlicherHelden, so weit Menschen den Göttern ähnlich scvn können.
Singe ihn, im Dampfe der Schlacht; so wie die Sonne unter dcn Wol-kcn ihrcn Glanz, abcr nicht ihrcn Einfluß verlicrct.
Singe ihn, mit dem Kranze des Siegs/ tiefsinnig auf dem Schlachtfcldc,mit thränendem Ange unter dcn Leichnamen seiner verewigten Gefährten.
Du weist wie du ihn am besten singen sollst. Ich will untcrdcß mitAesopischer Schuchtcrnhcit, cin Freund der Thiere, stillere Wcishcir lehren—
Ein Mährchcn vom blutigen Tygcr, der, als der sorglose Hirt mit Chlo-ris und dem Echo scherztc, die arme Hccrdc würgte und zerstreute.
Unglüklichcr Hirtc, wcnn wirst dn dic zcrstrcutcn Lämmer wirdcr umdich vcrsammcln. Wie rnfcn sie so ängstlich im Dorncngehcckc nach dir!
Orpheus , wie man crzchlt, stieg, seine Fran zu suchcn, in die Höllcherab. Und wo andcrs, als in der Hölle, hätte Orpheus auch sciuc Frausuchcn sollen?
Man sagt, er scv singend herab gestiegen. Ich zwcifl? im geringsten nichtdaran; dcn» so lange er Wittwer war, konnte er wohl vergnügt scvn und singcn.
Berge, Flüße und Steine folgten seinen Harmonien nach; und wcnn crauch noch so schlecht gesungen hätte, so wären sie ihm doch nachgefolgt.
Als er ankam, und seine Absicht entdeckte, hörten alle Martern aus.Und was könnten für einen so dummen Ehemann wohl noch für Marternübrig sey»?
Endlich bcwog scinc Stimme das taubc Rcich dcr Schattcn; ob es gleichmchr eine Züchtigung, als cinc Belohnung war, daß man ihm seine Frauwiedergab.