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Der junge Gelehrte.
Damis. Bey mchrcrm Verstände? (spöttisch)Valer. Werden Sie darüber ungehalten? Das ist wun-derbar! Zhr Körper kann, Ihren Zahrcn nach, noch nicht aus-gewachsen haben, und Sie glauben, daß Ihre Seele gleichwohlschon zu ihrer möglichen Vollkommenheit gelanget sey? Ich würdeden für meinen Feind halten, welcher mir den Vorzug, täglichzu mchrcrm Verstände zu kommen, streitig machen wollte.Damis. Sie!
Valer. Sie werden so spöttisch, mein Herr Nebenbuhler —Doch da ist sie selbst! (lauft ihr entgegen) Ah, Juliane — —
Achter Auftritt.Juliane. Damis. Valer.
Juliane. Ach, Valer, welche glückliche Veränderung!--
Damis. (indem er sich auf dem Stuhle umwendet) Die Ehre,Sie hier zu sehen, Madcmoiscll, habe ich ohne Zweifel einemIrrthume zu danken? Sie glauben vielleicht in Zhr Schlafzim-mer zu kommen — —
Juliane. Dieser Irrthum wäre unvergeblich! Nein! meinHerr, es geschieht auf Befehl Ihres Herrn Vaters, daß ichdiesen heiligen Ort betrete. Ich komme, Ihnen einen Kaufaufzusagen, und mich bey Ihrer Muse zu entschuldigen, daß ichbeynahe in die Gefahr gekommen wäre, ihr einen so liebens-würdigen Geist abspenstig zu machen.
Valer. O wie entzückt bin ich, schönste Juliane, Sie aufeinmal wieder in Ihrer Heiterkeit zu sehen.
Damis. Wenn ich das Gewäsche eines Frauenzimmersrecht verstehe, so kommen Sie, ein Paktum aufzuheben, welchesdoch alle Rcquisita hat, die zu einem unumstößlichen Pakt» er-fordert werden.
Juliane. Und wann ich das Galimathias eines jungenGelehrten verstehen darf, so haben Sie es getroffen.
Damis. Mein Vater ist ein Idiotc. Kömmt es denn nurauf ihn, oder aus Sie, Madcmoiscll, an, einen Vertrag, der
an meinem Theil fest bestehet, ungültig zu machen?--Es
wird sich alles zcigcn; nur wollte ich bitten, mich jetzt unge-stört zu lassen — — (wendet sich wieder an den Tisch)