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Der Misogyn.
Dritter Aufzug.
Erster Auftritt.Lisette von der einen, nnd Laura von dcr andern Seile.Ä.isettc. So hitzig, Mamsell?
L.aura. Wo ist der nichtswürdigc Advokat? Der alte ungc-bctnc Kuppler! Zn was mengt er sich? Wer hat es ihm auf-getragen, mich von meinem Batcr, als eine Strafe für einenMann, zu erbitten, mit dem ich am meisten gestraft seyn würde?
-L.isclte. Mit dem Sie am meisten gestraft seyn würden?Lieben Sie denn nicht Leander»? Und haben Sie nicht schonlangst ihm Ihre Gcnehmhaltung ertheilt, auf die eine oder dieandere Weise die Einwilligung Ihres Vaters zu suchen?
-L.aura. Es ist dein Glück, daß du sagst, schon längst.Eben deßwegen, weil ich Leandern schon längst einmal geliebthabe, und schon längst einmal die Seine habe seyn wollen,hätte man sich doch wohl vorher erkundigen können, ob ich esauch noch jetzt wollte, und ob ich ihn auch noch jetzt liebte?Muß man so zuversichtlich zu Werke gehen, ohne mir ein Wortdavon zu sagen? Ich dächte doch, ich wäre die geringste Per-son bey diesem Handel nicht.
lisette. Und also lieben Sie wohl Leandern nicht mehr?
Ä.aura. Nein; und ich schäme mich, ihn jemals geliebtzu haben. Wenn deine Verführungen nicht gewesen wären, sowürde ich nimmermehr einen Menschen meiner Achtung gcwür-digct haben, dcr mit meinem Vater so offenbar im Zank undStreite lebt.
Kusctte. (macht eine ticfe Verbeugung) Sie erzeigen mir zuviel Ehre, mich mit Ihrem Herzen zu vermengen.
L.aura. Mein Herz muß keinen großen Antheil daran ge-habt haben. Ein fliegender Geschmack; das war es aufs höchstealles. Sonst würde es mir, ohne Zweifel, saurer gewordenseyn, ihn zu vergessen. Eine einzige kleine Betrachtung hatmich von dieser ungeziemenden Liebe abgezogen.
lisette. So? eine Betrachtung? Darf man diese Betrachtungnicht wissen? Doch wohl nicht die Betrachtung des Herrn Lclio?
L.aura. Du bist eine Närrinn.