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1 (1838)
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Vcr Freygeist.

Adrast. Eben so oft haben Sie gcschcn, daß ich mich nichteinlassen will. Freundschaft? Frcnndschaft unter uns^Wissen Sie, mnß ich fragen, was Frcnndschaft ist?

Theophan. Ob ich es weiß?

Adrast. Alle Fragen bestürzcn, deren wir nicht gewärtigsind. Gilt, Sie wissen es. Aber meine Art zu denken, unddie Ihrige, diese kennen Sie doch auch?

Lheophan. Zeh verstehe Sie. Also sollen wir wohl Feindeseyn?

Adrast. Sie haben mich schon verstanden! Feinde? Istdenn kein Mittel? Muß denn der Mensch eines von beiden,hassen, oder lieben? Gleichgültig wollen wir einander bleiben.Und ich weiß, eigentlich wünschen Sie dieses selbst. LernenSie wenigstens nur die Aufrichtigkeit von mir.

Theophan. Ich bin bereit. Werden Sie mich aber dieseTugend in aller ihrer Lauterkeit lehren?

Adrast. Erst fragen Sie Sich selbst, ob sie Ihnen in allerihrer Lauterkeit gefallen wurde?

THeophan. Gewiß. Und Ihnen zu zeigen, ob Ihr künf-tiger Schüler einige Fähigkeit dazu hat, wollen Sie mich wohleinen Versuch machen lassen?

Adrast. Recht gern.

Theophan. Wo nur mein Versuch nicht ein Meisterstückwird. Hören Sie also, Adrast Aber erlauben Sie mir,daß ich mit einer Schmeichelet) gegen mich selbst ansänge. Ichhabe von je her einigen Werth auf meine Freundschaft gelegt;ich bin vorsichtig, ich bin karg damit gewesen. Sie sind dererste, dem ich sie angeboten habe; und Sie sind der einzige,dem ich sie aufdringen will. Umsonst sagt mir Ihr ver-ächtlicher Blick, daß es mir nicht gelingen solle. Gewiß, essoll mir gelingen. Ihr eigen Herz ist mir Bürge; Ihr eigenHerz, Adrast, welches unendlich besser ist, als es Ihr Witz,der sich in gewisse groß scheinende Meynungen verliebt hat, viel-leicht wünschet.

Adrast. Ich hasse die Lobsprüchc, Theophan, und beson-ders die, welche meinem Herzen auf Unkosten meines Verstan-des gegeben werden. Ich weiß eigentlich nicht, was das für