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1 (1838)
Entstehung
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Der Freygeist.

tcn, so würden Sie mir alles unter die Augen gesagt haben,was Sie in Ihrem Herzen von mir denken. Ihr Mund wurdemir keine gute S,citc geliehen haben, die mir Ihre innere Ueber-zeugung nicht zugestehet. Sie würden mich gerade weg einenRuchlosen gescholten haben, der sich der Religion nur deswegenzu entziehen suche, damit er seinen Lüsten desto sicherer nach-hängen könne. Um sich pathetischer auszudrücken, würden Siemich einen Höllcnbrand, einen eingefleischten Teufel genannthaben. Sie würden keine Verwünschungen gespart, kurz, Siewürden Sich so erwiesen haben, wie sich ein Theolog gegen dieVerächter seines Aberglaubens, und also auch seines Ansehens,erweisen muß.

Cheophan. Ich erstaune. Was für Begriffe!

Adrast. Begriffe, die ich von tausend Beyspielen abgeson-dert habe. Doch wir kommen zu weit. Zeh weiß, wasich weiß, und habe längst gelernt, die Larve von dem Gesichtezu unterscheiden. Es ist eine Karncvalscrfahrung: Je schönerdie erste, desto häßlicher das andere.

Theophan, Sie wollen damit sagen--

Aörast. Ich will nichts damit sagen, als daß ich noch zuwenig Grund habe, die Allgemeinheit meines Urtheils von denGliedern Ihres Standes, um Zhrct Willen einzuschränken. Ichhabe mich nach den Ausnahmen zu lauge vergebens umgesehen,als daß ich hoffen könnte, die erste an Ihnen zu finden. Ichmüßte Sie länger, ich müßte Sie unter verschiedenen Umstän-den gekannt haben, wenn

lLheophan. Wenn Sie meinem Gesichte die Gerechtigkeitwicdcrfahrcn lassen sollten, es für keine Larve zu halten. Wohl!Aber wie können Sie kürzer dazu gelangen, als wenn Siemich Ihres nähern Umganges würdigen? Machen Sie mich zuIhrem Freunde, stellen Sie mich auf die Probe--

Adrast. Sachte! die Probe käme zu spät, wenn ich Siebereits zu meinem Freunde angenommen hätte. Ich habe ge-glaubt, sie müsse vorhergehen.

Theophan. Es giebt Grade in der Freundschaft, Adrast;und ich verlange den vertrautesten noch nicht.