Der Freygeist.
433
Lusette. Sie wissen wohl, ich gehöre heute Mamsell Hcn-ricttcn.
'Henrierre. Zlbcr bey dem alle» sich dich vor, Schwester!Wenn mir dein Thcophan aufstößt, so sollst du sehen, was ge-schieht. Sie dürfen nicht denken, Adrast, daß ich dieses sage,um Sie eifersüchtig zu machen. Zch fühle es in der That, daßich anfange, Sie zu hassen.
Adrast. Es möchte Zhncn auch schwerlich gelingen, micheifersüchtig zu machen.
-Henrictte- O! das wäre vortrefflich, wenn Sie mir hierinncgleich wären. Alsdann, erst alsdann würde unsre Ehe einerecht glückliche Ehe werden. Freuen Sie Sich, Adrast! wie ver-ächtlich wollen wir einander begegnen! — — Du willst ant-worten, Schwester? Nun ist cs Zeit. Fort, Lisctte!
Dritter Auftritt.Adrast. Juliane.
Juliane. Adrast, Sie werden Geduld mit ihr haben müs-sen. — Sie verdient es aber auch; denn sie hat das beste Her;von der Welt, so verdächtig cs ihre Zungc zu machen sucht.
Adrast. Allzugütige Juliane! Sie hat das Glück, IhreSchwester zu seyn; aber wie schlecht macht sie sich dieses Glückzu Nutze? Zch entschuldige jedes Frauenzimmer, das ohne merk-liche Fehler nicht hat aufwachsen können, weil cs ohne Erziehungund Beyspiele hat aufwachsen müssen; aber ein Frauenzimmer zuentschuldigen, das eine Zulianc zum Mustcr gchabt hat, und cineHcnricttc geworden ist: bis dahin langt meine Höflichkeit nicht. —
Juliane. Sie sind aufgebracht, Adrast: wie könnten Siebillig seyn?
Adrast. Zch weiß nicht, tvKs ich jctzo bin; aber ich weiß,daß ich aus Empfindung rcdc.--
Juliane. Die zu heftig ist, als daß sie lange anhalten sollte.
Adrast. So prophczcihcn Sie mir mein Unglück.
Juliane. Wie? — Sie vergessen, in was für VerbindungSie mit meiner Schwester stehen?
Adrast. Ach! Zulianc, warum muß ich Ihnen sagen, daßich kein Herz für Zhre Schwcstcr habe?
LessmgS Werke l. 28