Der Freygeist. 443
Theophan. Nicht so spöttisch, Liscttc! Es würde hier voneiner sehr unschuldigen Rache die Rede seyn.
-Henriette, Das meyne ich auch; von einer sehr unschul-digen.
Aisetre. Wer leugnet das? von einer so unschuldigen, daßman sich mit gutem Gewissen darüber berathschlagen kann. Hö-ren Sie nur! Ihre Rache, Herr Thcophan, wäre eine männ-liche Rache, nicht wahr? und Ihre Rache, Mamsell Henricttc,wäre eine weibliche Rache: eine männliche Rache nun, und eineweibliche Rache — — Za! wie bringe ich wohl das Dingrecht gescheut herum?
-Henriettc. Du bist eine Närrinn mit samt deinen Ge-schlechtern.
Ä.isettc. Helfen Sie mir doch ein wenig, Herr Theophan .— — Was mcvncn Sie dazu? Wenn zwey Personen einer-ley Weg gehen müssen, nicht wahr? so ist es gut, daß diesezwey Personen einander Gesellschaft leisten?
Theophan. Za wohl; aber vorausgesetzt, daß diese zweyPersonen einander leiden können.
Henriettc- Das war der Punkt!
S.isette. (bey Seite) Will denn Keines anbeißen? Zch muß
einen andern Zipfel fassen.--Es ist schon wahr, was Herr
Thcophan vorhin sagte, daß es nehmlich noch sehr ungewiß sey,ob Mamsell Juliane den Adrast liebe. Zch setze so gar hinzu:Es ist noch sehr ungewiß, ob Herr Adrast Mamsell Zuliancuwirklich liebt.
-Heimelte. O! schweig, du unglückliche Zwciflerinn. Essoll nun abcr gewiß seyn!
Aisette. Die Mannspersonen bekommen dann und wanngewisse Anfälle von einer gewissen wetterwendischen Krankheit,die aus einer gewissen Ucbcrladung des Herzens entspringt.
-Henriette. Aus cincr Ucbcrladung dcs Herzens? Schöngegeben!
L.isettc- Zch will Zhncn gleich sagen, was das heißt. Sowie Lcutc, die sich den Magen überladen haben, nicht eigentlichmehr wissen, was ihnen schmeckt, und was ihnen nicht schmeckt:so geht cs auck den Leuten, die sich das Herz überladen haben.