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1 (1838)
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Der Schatz.

denn an? Für einen Bctricgcr, der ein rechtschaffner Mann ist;oder für einen rechtschaffnen Mann, der ein Bctricger ist?

S.elio. Mein lieber, ehrlicher Maskarill, ich sehe dich füreinen Mann an, der mir wenigstens einige tausend Thaler lei-hen könnte, wenn er mir so viel leihen wollte, als er mir ge-stohlen hat.

Maskarill. Du lieber, ehrlicher Maskarill! Undwas wollten Sie mit diesen einigen tausend Thalern machen?

Aelio. Sie meiner Schwester zur Aussteuer geben, undmich hernach--vor den Kopf schießen.

Maskarill. Sich vor den Kopf schießen?--Es ist

schon wahr, entlaufen würden Sie mir mit dem Gelde alsdannnicht. Aber doch (als ob er nachdächte)

-L.elio. Du weißt es, Maskarill, ich liebe meine Schwester.Jetzt also muß ich das Acußcrstc für sie thun, wenn sie nicht

Zeit Lebens mit Unwillen an ihren Bruder denken soll.---

Sey großmüthig, und versage mir deinen Beystand nicht.

Maskarill. Sie fassen mich bey meiner Schwäche. Ichhabe einen verteufelten Hang zur Großmuth, und Ihre brüder-liche Liebe, Herr Lclio, wirklich! bczaubert mich ganz.

Sie ist etwas recht edles, etwas recht süperbes!--Aber

Ihre Jungfer Schwester verdient sie auch; gewiß! Und ich sehemich gedrungen

Aclio. O! so laß dich umarmen, llcbster Maskarill. Gebedoch Gott, daß du mich um recht vieles betrogen hast, damitdu mir recht viel leihen kannst! Hätte ich doch nie geglaubt,daß du ein so zärtliches Herz hättest. Aber laß hören,wie viel kannst du mir leihen?

Maskarill. Ich leihe Ihnen, mein Herr,,S.elio, Sage nicht: mein Herr. Nenne mich deinen Freund.Zch wenigstens will dich Zeit Lebens für meinen einzigen, bestenFreund halten.

Maskarill. Behüte der Himmel! Sollte ich, einer so klei-nen nichtswürdigcn Gefälligkeit wegen, den Respekt bey Seitesetzen, den ich Ihnen schuldig bin? '

Z.elio. Wie? Maskarill, du bist nicht allein großmüthig,du bist auch bescheiden?