Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
510
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Minna von Barnhclm.

bald mciiicn armen Hcrrn aufftichc». Mit meinem Willen soller keinen Fuß mehr in das vcrmalcdcytc Hans setzen. Wo wirder die Nacht zugebracht haben?

Zweyter Auftritt.Der Wirth. Just.Der Wirth. Guten Morgen, Herr Zust, guten Morgen!Ey, schon so früh auf? Oder soll ich sagen: noch so spät auf?Just. Sage Er, was Er will.

Der Wirth, Zch sage nichts, als guten Morgen; und dasverdient doch wohl, daß Herr Zust, großen Dank, darauf sagt ?Just. Großen Dank!

Der Wirth. Man ist verdrießlich, wenn man seine gehö-rige Ruhe nicht haben kann. Was gilts, der Herr Major istnicht nach Hanse gekommen, und Er hat hier auf ihn gelauert?

Just, Was der Mann nicht alles errathen kann!

Der Wirth. Zch vermuthe, ich vermuthe.

Just, (kehrt sich um, und will gehe») Sein Diener!

Der Wirth, (hält ihn) Nicht doch, Herr Zust!

Just. Nun gut; nicht Sein Diener!

Der Wirth. Ey, Herr Zust! ich will doch nicht hoffen,Herr Zust, daß Er noch von gestern her böse ist? Wer wirdseinen Zorn über Nacht behalten?

Just, Zch; und über alle folgende Nächte.

Der Wirth. Zst das christlich?

Just. Eben so christlich, als einen ehrlichen Mann, dernicht gleich bezahlen kann, aus dem Hause stoßen, auf dieStraße werfen.

Der Wirth. Pfuy, wer könnte so gottlos seyn ?

Just. Ein christlicher Gastwirth. Meinen Hcrrn! so ei-nen Mann! so einen Officicr!

Der Wirth. Den hätte ich aus dem Hause gestoßen? aufdie Straße geworfen? Dazu habe ich viel zu viel Achtung füreinen Officicr, und viel zu viel Mitleid mit einem abgedankten!Zch habe ihm aus Noth ein ander Zimmer einräumen müssen. Denke Er nicht mehr daran, Herr Zust. (er ruft in die Scene)Holla! Zch wills auf andere Weise wieder gut machen.