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Minna von Barnhelm.
so bald ich sein Vater seyn kann. Die Verwirrung, in der ichmich itzt selbst befinde —
Die Dame. Edelmüthigcr Mann! Aber denken Sie auchvon mir nicht zu klein. Nehmen Sie das Geld, Herr Major;so bin ich wenigstens beruhiget. —
v. Tlellheim. Was brauchen Sie zu Ihrer Beruhigungweiter, als meine Versicherung, daß mir dieses Geld nicht ge-höret? Oder wollen Sie, daß ich die unerzogene Wayse meinesFreundes bcstchlcn soll? Bestchlcn, Madame; das würde es indem eigentlichsten Verstände seyn. Ihm gehört es; für ihn le-gen Sie es an. —
Die Dame. Ich verstehe Sie; verzeihen Sie nur, wennich noch nicht recht weiß, wie man Wohlthaten annehmen muß.Woher wissen es denn aber auch Sie, daß eine Mutter mehrfür ihren Sohn thut, als sie für ihr eigen Leben thun würde?Ich gehe —
v. Tellheim. Gehen Sie, Madame, gehen Sie! ReisenSie glücklich! Ich bitte Sie nicht, mir Nachricht von Zhnen zugeben. Sie möchte mir zu einer Zeit kommen, wo ich sie nichtnutzen könnte. Aber noch eines, gnädige Frau; bald hätte ichdas Wichtigste vergessen. Marloff hat noch an der Kasse un-sers ehemaligen Regiments zu fodcrn. Seine Federungen sindso richtig, wie die mcinigcn. Werden meine bezahlt, so müssenauch die scinigen bezahlt werden. Ich hafte dafür. —
Die Dame- O! mein Herr — Aber ich schweige lieber. —Künftige Wohlthaten so vorbereiten, heißt sie in den Augendes Himmels schon erwiesen haben. Empfangen Sie seine Be-lohnung, und meine Thränen! (geht ab)
Armes, braves Weib! Ich muß nicht vergessen, den Bettelzu Vernichten, (er nimmt aus seinem Taschmbuchc Briefschaften, die erzerreißt) Wer steht mir dafür, daß eigner Mangel mich nicht ein-mal verleiten könnte, Gebrauch davon zu machen?
Siebender Auftritt.
v. Tellheim-