Minna von Bariihelm. 663
Franciska. Und ich will Sie »och ruhiger machen.
Das Fräulein. Desto besser! Sein Brief, o sein Brief!Jede Zeile sprach den ehrlichen, edlen Mann. Jede Weigerung,mich zu besitze», betheuerte mir seine Liebe. — Er wird eswohl gemerkt haben, daß wir den Brief gelesen. — Mag erdoch; wenn er mir kömmt. Er kömmt doch gewiß? — Bloßein wenig zu viel Stolz, Franciska, scheint mir in seiner Auf-führung zu seyn. Denn auch seiner Geliebten sein Glück nichtwollen zu danken haben, ist Stolz, unverzeihlicher Stolz! Wenner mir diesen zu stark merken laßt, Franciska —
Franciska. So wollen Sie seiner entsagen?
Das Fräulein. Ey, sich doch! Jammert er dich nicht schonwieder? Nein, liebe Närrin, Eines Fehlers wegen entsagt mankeinem Manne.") Nein; aber ein Streich ist mir bcygcfallcn,ihn wegen dieses Stolzes mit ähnlichem Stolze ein wenigzu martern.
Franciska. Nun da müssen Sie ja recht sehr ruhig seyn,mein Fräulein, wenn Ihnen schon wieder Streiche bcysallcn.
Das Fräulein. Zch bin es auch; komm nur. Du wirstdeine Rolle dabey zu spielen haben, (sie gchcn herein)
Vierter Aufzug.
Erster Auftritt.
(Die Scene, das Zimmer des Fräuleins) Das Fräulein, (völlig, lindreich, aber mit Geschmack gekleidet) Franciska. (Sie stehen vom Tischeauf, den ein Bedienter abräumt)
Franciska- Sie können unmöglich satt seyn, gnädigesFräulein.
Das Fraulein. Mcynst du, Franciska? Vielleicht, daß ichmich nicht hungrig niedersetzte.
Franciska. Wir hatten ausgemacht, seiner währender Mahl-zeit nicht zu erwähnen. Aber wir hätten uns auch vornehmen
sollen, an ihn nicht zu denken.
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°) In der Handschrift stand erst „keines Mannes."
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