Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
11
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Miß Sam Saiiipsoii.

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ich itzt gcgcn Ihre Klage» taub seyn muß, weil» ich Sie nicht,in der ganzen Folge Zhrcs Lebens, noch schmerzhaftere Klagenwill sichren hören. Haben Sie es denn vergessen, was ich Ih-nen zu meiner Rechtfertigung schon oft vorgestellt?

Sara. Ich habe es nicht vergessen, Mcllcfont. Sie wol-len vorher ein gewisses Vermächtnis; retten. Sie wollen vor-her zeitliche Güter retten, und mich vielleicht ewige darüberverscherzen lassen.

XNellefont. Ach Sara, wenn Ihnen alle zeitliche Güterso gewiß wären, als Ihrer Tugend die ewigen sind

Sara. Meiner Tugend? Nennen Sie mir dieses Wortnicht! Sonst klang es mir süße, aber itzt schallt mir einschrecklicher Donner darum!

Mellefont. Wie? muß der, welcher tugendhaft seyn soll,keinen Fehler begangen haben? Hat ein einziger so unseligeWirkungen, daß er eine ganze Reihe unsträflicher Jahre vernich-ten kann? So ist kein Mensch tugendhaft; so ist die Tugendein Gespenst, das in der Luft zerfließet, wenn man es am feste-sten umarmt zu haben glaubt; so hat kein weises Wesen unserePflichten nach unsern Kräften abgemessen; so ist die Lust, unsstrafen zu können, der erste Zweck unsers Daseyns; so istIch erschrecke vor allen den gräßlichen Folgerungen, in welcheSie Ihre Klcinmuth verwickeln muß! Nein, Miß, Sie sindnoch die tugendhafte Sara, die Sie vor meiner unglücklichenBekanntschaft waren. Wenn Sie sich selbst mit so grausamenAugen ansehen, mit was für Augen müssen Sie mich betrachten!

Sara- Mit den Augen der Liebe, Mcllcfont.

Mellefonr. So bitte ich Sie denn um dieser Liebe, umdieser großmüthigen, alle meine Iluwürdigkcit übersehenden LiebeWillen, zu Ihren Füßen bitte ich Sie: beruhigen Sie sich.Haben Sie nur noch einige Tage Geduld.

Sara. Einige Tage! Wie ist Ein Tag schon so lang!

ZNellefom. Verwünschtes Vermächtnis;! Verdammter Un-sinn eines sterbenden Vetters, der mir sein Vermögen nur mitder Bedingung lassen wollte, einer Anvcrwandtinn die Hand zugeben, die mich eben so sehr haßt, als ich sie! Euch, unmcnsch-lichc Tyrannen unserer freyen Neigungen, euch werde alle das