40
Miß Sara Sampsou.
wollte, ich ihm alles aufopfern könnte: so wäre es ganz etwasanders. Zch wollte den Brief mit Vergnügen von deinen Hän-den nehmen, die Stärke der väterlichen Liebe darinn bewun-dern, und ohne sie zu mißbrauchen, mich als eine reuende undgehorsame Tochter zu seinen Füßen werfen. Aber kann ich das?Zch würde es thun müssen, was er mir erlaubte, ohne michdaran zu kehren, wie theuer ihm diese Erlaubniß zu stehenkomme. Und wenn ich dann am vergnügtesten darüber seynwollte, würde es mir plötzlich einfallen, daß er mein Vergnü-gen äußerlich nur zu theilen scheine, und in sich selbst vielleichtseufze; kurz, daß er mich mit Entsagung seiner eignen Glückse-scligkcit glücklich gemacht habe — Und es auf diese Art zuseyn wünschen, trauest du mir das wohl zu, Waitwell?
waitwell. Gewiß ich weiß nicht, was ich hierauf ant-worten soll.
Sara. Es ist nichts darauf zu antworten. Bringe deinenBrief also nur wieder zurück. Wenn mein Batcr durch michunglücklich seyn muß; so will ich selbst auch unglücklich bleiben.Ganz allein ohne ihn unglücklich zu seyn, das ist es, was ichjetzt stündlich von dem Himmel bitte; glücklich aber ohne ihnganz allein zu seyn, davon will ich durchaus nichts wissen.
Vvaitroell. (etwas bey Seite) Zch glaube wahrhastig, ich werdedas gute Kind hintergehen müssen, damit es den Brief dochnur liefet.
Sara. Was sprichst du da für dich?
U)aitrvell. Zch sage mir selbst, daß ich einen sehr unge-schickten Einfall gehabt hätte, Sie, Miß, zur Lesung des Brie-fes desto geschwinder zu vermögen.
Sara. Wie so?
Vvaitroell. Zch konnte so weit nicht denken. Sie über-legen freylich alles genauer, als es unser einer kann. Zchwollte Sie nicht erschrecken; der Brief ist vielleicht nur allzuhart; und wenn ich gesagt habe, daß nichts als Liebe undVergebung darinn enthalten sey, so hätte ich sagen sollen, daßich nichts als dieses darinn enthalten zu seyn wünschte.
Sara. Zst das wahr? — Nun so gieb mir ihn her. Zchwill ihn lesen. Wenn man den Zorn eines Vaters unglückli-