Nathan der Wcisc.
Daja.
Nachher die ersten Tage sahen wirIhn untern Palmen ans und nieder wandeln,Die dort des Aufcrstandncn Grab umschatten.Ich nahte mich ihm mit Entzücken, dankte.Erhob, entbot, beschwor, — nur einmal nochDie fromme Kreatur zu sehen, dieNicht ruhen könne, bis sie ihren DankZu seinen Füßen ausgeweinet.
Nathan.Nun?Daja.
Umsonst! Er war zu unsrer Bitte taub;
Und goß so bittern Spott auf mich besonders...
Nathan.Bis dadurch abgeschreckt...
Daja.
Nichts weniger!Ich trat ihn jeden Tag von neuem an;Ließ jeden Tag von neuem mich verhöhnen.Was litt ich nicht von ihm! Was hätt' ich nichtNoch gern ertragen! — aber lange schonKommt er nicht mehr, die Palmen zu besuchen,Die unsers") Aufcrstandncn Grab umschattcn;Und niemand weiß, wo er geblieben ist. <—Ihr staunt? Ihr sinnt?
Nathan.Ich überdenke mir,Was das auf einen Geist, wie Rcchas, wohlFür Eindruck machen muß. Sich so verschmähtWon dcm zu finden, den man hochzuschätzenSich so gezwungen fühlt; so weggestoßen,Und doch so angezogen werden; — Traun,Da müssen Hcrz und Kopf sich lange zanken,Ob Mcnschcnhaß, ob Schwcrmuth siegen soll.
°) „seines" in der ersten Ausgabe.