Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
210
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Nathan der Weise.

Nathan.Nun, versteh» wir uns nur recht!Hier gicbts zu unterscheiden. Du? warumNicht du? Al-Hasi Derwisch ist zu allem,Was ich vermag, mir stets willkommen. AberAl-Hafi Dcftcrdar des Saladin,Der dem

Derwisch.Errieth ichs nicht? Daß Ihr doch immerSo gut als klug, so klug als weise seyd!Geduld! Was Ihr am Hast unterscheidet,Soll bald geschieden wieder seyn. Seht daDas Ehrenkleid, das Saladin mir gab.Eh es verschossen ist, eh es zu LumpenGeworden, wie sie einen Derwisch kleiden,Hängts in Jerusalem am Nagel, undIch bin am Ganges , wo ich leicht und barfußDen heißen Sand mit meinen Lehrern trete.

Nathan.

Dir ähnlich gnug!

Derwisch.Und Schach mit ihnen spiele.Nathan.

Dein höchstes Gut!

Derwisch.Denkt nur, was mich verführte!Damit ich selbst nicht länger betteln dürfte?Den reichen Mann mit Bettlern spielen könnte?Vermögend wär' im Huy den reichsten BettlerZn einen armen Reichen zu verwandeln?

Nathan.

Das nun wohl nicht.

Derwisch.

Weit etwas abgcschmacktcrs!Ich fühlte mich zum erstenmal geschmeichelt;Durch Saladins guthcrz'gcn Wahn geschmeichelt