Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
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274
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Ratyan der Weise.

Saladin .Ich heische deinen Unterricht in ganzWas andcrm; ganz was andcrm. Da dn nunSo weise bist: so sage mir doch einmalWas für ein Glaube, was für ein GesetzHat dir am meisten eingeleuchtet?

Nathan.

Sultan ,

Ich bin ein Zud'.

Saladin .Und ich ein Muselmann.Der Christ ist zwischen uns. Bon diesen dreyReligionen kann doch eine nurDie wahre seyn. Ein Mann, wie du, bleibt daNicht stehen, wo der Zufall der GcburthIhn hingeworfen: oder wenn er bleibt,Bleibt er aus Einsicht, Gründen, Wahl des Bessern.Wohlan! so theile deine Einsicht mirDann mit. Laß mich die Gründe hören, denenIch selber nachzugrübeln, nicht die ZeitGehabt. Laß mich die Wahl, die diese GründeBestimmt, versteht sich, im Vertrauen wissen,Damit ich sie zu meiner mache. Wie?Du stutzest? wägst mich mit dem Auge? KannWohl seyn, daß ich der erste Sultan bin,Der eine solche Grille hat; die michDoch eines Sultans eben nicht so ganzUnwürdig dünkt. Nicht wahr? So rede doch'-Sprich! Oder willst du einen Augenblick,Dich zu bedenken? Gut; ich geb' ihn dir.(Ob sie wohl horcht? Ich will sie doch belauschen;Will hören, ob ichs recht gemacht.) Denk nach!Geschwind denk »ach! Ich säume nicht, zurückZu kommen.

(Er geht in das Nebenzimmer, nach welchem sich Siltal) begeben.)