280
Rathaii der Weise.
Und nun, der Richter? — Mich verlangt zu hören,Was d» den Richter sagen lässest. Sprich!
Nathan.
Der Richter sprach: wenn ihr mir nun den Vater
Nicht bald zur Stelle schafft, so weis' ich euch
Von meinem Stuhle. Denkt ihr, daß ich Räthsel
Zu lösen da bin? Oder harret ihr.
Bis daß der rechte Ring den Mund eröffne? —
Doch halt! Zch höre ja, der rechte Ring
Besitzt die Wundcrkraft beliebt zu machen;
Vor Gott und Menschen angenehm. Das muß
Entscheiden! Denn die falschen Ringe werden
Doch das nicht können! — Nun; wen lieben zwey
Von euch am meisten? — Macht, sagt an! Ihr schweigt
Die Ringe wirken nur zurück? und nicht
Nach aussen? Zeder liebt sich selber nur
Am meisten? — O so seyd ihr alle drey
Betrogene Bctricgcr! Eure Ringe
Sind alle drey nicht echt. Der echte Ring
Vermuthlich ging verloren. Den Verlust
Zu bergen, zu ersetzen, ließ der Vater
Die drey für einen machen.
Herrlich! herrlich!
Nathan.
Und also; fuhr der Richter fort, wenn ihr
Nicht meinen Rath, statt meines Spruches, wollt:
Geht nur! — Mein Rath ist aber der: ihr nehmt
Die Sache völlig wie sie liegt. Hat von
Euch jeder seinen Ring von seinem Vater:
So glaube jeder sicher seinen Ring
Den echten. — Möglich; daß der Vater nun
Die Tyranncy des Einen Rings nicht länger
Zn seinem Hause dulden wollen! — Und gewiß;
Daß er euch alle drey geliebt, und gleich
Geliebt: indem er zwey nicht drücken mögen,