Nathan der Weise,
313
Tempelherr.Was? ruhig Christ? — Wenn Zud'Und Muselmann, auf Zud', auf MuselmannBestehen: soll allein der Christ den ChristenNicht machen dürfen?
Sa lad in. (noch ernster)
Ruhig, Christ!Tempelherr, (gelassen)
Ich fühle
Des Borwnrfs ganze Last, — die Saladin Zn diese Sylbe preßt! Ah, wenn ich wüßte,Wie Assad, — Assad sich an meiner StelleHicrbcy genommen hätte!
Nicht viel besser! —Vermuthlich, ganz so brausend! — Doch, wer hatDenn dich auch schon gelehrt, mich so wie erMit Einem Worte zu bestechen? FreylichWenn alles sich verhält, wie du mir sagest:Kann ich mich selber kaum in Nathan finden. —Indeß, er ist mein Freund, und meiner FreundeMuß keiner mit dem andern hadern. — LaßDich weisen! Geh behutsam! Gieb ihn nichtSofort den Schwärmern deines Pöbels Preis!Verschweig, was deine Geistlichkeit, an ihmZu rächen, mir so nahe legen würde!Sey keinem Zudcn, keinem MuselmanneZum Trotz ein Christ!
Tempelherr.Bald wärs damit zu spät!Doch Dank der Blutbcgicr des Patriarchen,Deß Werkzeug mir zu werden graute!
Wie?
Du kamst zum Patriarchen eher, alsZu mir?