Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
323
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Nathan der Weist.

Recht gut von Euch erzogen werden sollte:Daß Zhrs als Euer eigen TöchterchcnErzögt. Das hättet Zhr mit aller Lieb'Und Treue nun gethan, und müßtet soBelohnet werden? Das will mir nicht ein.Ey freylich, klüger hättet Zhr gethan;Wenn Zhr die Christinn durch die zweyte HandAls Christinn aufcrzichcn lassen: aberSo hättet Zhr das Kindchen Eures FreundsAuch nicht geliebt. Und Kinder brauchen Liebe,Wärs eines wilden Thieres Lieb' auch nur,Zn solchen Zahren mehr, als Christenthum.Zum Christcnthume hats noch immer Zeit.Wenn nur das Mädchen sonst gesund und frommVor Eucrn Augen aufgewachsen ist,So blicbs vor Gottes Augen, was es war.Und ist denn nicht das ganze ChristenthumAufs Zudcnthum gebaut? Es hat mich oftGeärgert, hat mir Thränen gnug gekostet,Wenn Christen gar so sehr vergessen konnten,Daß unser Herr ja selbst ein Zudc war.

Nathan.

Zhr, guter Bruder, müßt mein Fürsprach seyn,Wenn Haß und Glcißncrcy sich gegen michErheben sollten, wegen einer ThatAh, wegen einer That! Nur Zhr, Zhr solltSie wissen! Nehmt sie aber mit ins Grab!Noch hat mich nie die Eitelkeit versucht,Sie jemand andern zu erzählen. EuchAllein erzähl' ich sie. Der frommen EinfaltAllein erzähl' ich sie. Weil die alleinVersteht, was sich der gottergebne MenschFür Thaten abgewinnen kann.

Klosterbruder.

Zhr seyd

Gerührt, und Euer Auge steht voll Wassers