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Dämon, oder die wahre Freundschaft.
Dritter Auftritt.Lisette.
Nun, der hat einen Floh hinter dem Ohrn. Aber was hilft mirs?Ich kann itzo ans ihm eben so wenig klug werden, als zuvor. Wennich ihn nur wenigstens so weit hätte bringen können, daß er seineLiebeserklärungen wieder vorgesucht hätte. Er ließ aber auch garnicht mit sich reden; es war, als wenn er ans Kohlen stünde.Huy! da kömmt Leander. Laßt sehn, was mit dem anzufangen ist!
Vierter Austritt.Lisette. Leander.
lisette. Ein klein bisgen eher, so hätten sie ihn angetroffen.
Stander. So? Ist Dämon schon hier gewesen?
K.isette. Ja. Und er wird auch gleich wieder da seyn. Sie sol-len sich nur ein klein wenig gedulden. Herr Leander, wie sehen siemir denn aber heute einmal so verdrießlich aus? Ach! das Gesichte stehteinem Freyer gar nicht! Pfuy! fein munter! hübsch lustig!
A.eander. Wer so viel Ursache zum Verdrösse hat, wie ich - - - -
K.isette- Ach! ach! Reden sie doch. Sie mögen wohl viel ansdem Herzen haben, das sie bekümmert. Ich mcrke zwar bald, was esseyn kann? Huy! daß sie die Liebe quält. Sind sie es einmal satt,sie der Freundschaft nachzusetzen. O sie thäten nicht mehr, als billig.Frisch gewagt! Schade auf einen Freund. Halten sie bey meiner Frauwieder aufs neue an. Ich gebe ihnen mein Wort, sie bekommen sieweg. Wenn sie aber noch länger tändeln, so bin ich ihnen für nichtsgut. Wählen kann meine Frau nicht. Wenn nicht bald einer vonbeyden kömmt, und sie so holt, so hat sie alles schon dem blindenZufalle überlassen. Wer von ihnen bey dem Handel nach Ostindienam glücklichsten wird gewesen seyn, dem will sie Hand, Herz undVermögen schenken - - - Was fehlt ihnen? - - Was fehlt ihnen? - -
F.eanSer. Lisette, um des Himmels willen, dem glücklichsten?Nun ist mein Unglück vollkommen.
K.isette. Vollkommen? Was will das sagen? Erklären sie sich.
K.eander. Wohl, ich will mich euch vertrauen. Wisset denn, daßich nur gestern Abends Briefe erhalten habe, daß mein Schiff in ei-nem Sturme verunglücket sey. Grausamer Himmel! so war es nicht