Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
421
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Giangir, oder der verschmähte Thron.

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Anderer Auftritt.

Roxalana. Solimann.

Und endlich seh ich doch, daß Solimann mich liebet,Mich, und in mir mich sich, sein Glück und seinen Ruhm.

Solimann.

Und endlich zwang ich mich. Mein Sohn ist nicht mein Sohn,Des Blutes zärtlich Band vereint ihn mir vergebens,Wenn er in wilder Brust Natur und Pflicht ersticket.Wer seinen Vater kränkt, der kränkt ihn nicht als Kind,Drum, wann der Bater straft, straft er als Vater nicht.Ein grauß Gefängniß hätt Mustaphen schon umschlossen.

Der Frevler--der! auf mich?---auf mich den Dolch zn tragen?

Der Frevler--Mein Gemahl---die Schandthat ist zu groß.

Mustapha, hättst du mich auch hundertmal erwürgt--

Mustapha, sterbende hätt ich dir noch vergeben.

Doch mein Gemahl--doch dich--

Roxalana.

Verzehrend Angedenken!Mit heiterm Angesicht, und ohne rothe Schahm,Trug er mir Schandthat an, die, wär der Himmel nichtZur Nachsicht zu geneigt, ihm wäre unzerschuiettcrcAuf seine Lippen nicht, nicht in den Sinn gekommen.

Soliman n.

Die Wohlthat wär zu groß, wenn von der Allmacht HandEin solcher Sünder stürb. Der Tod wär viel zu schön.Wer allzuschimpflich fehlt, den straft der Fürst der Fürsten ,Durch seine Sklaven nur, das sind wir Erden-Fürsten.

Roxalana.

Mit Zittern hab ich dir sein Laster nur entdeckt.

Ob ich dirs sagen soll, ob ichs nicht sagen soll--

Mein Geist darob verwirrt, bald hätt er sich entschlossen,(Zum besten pflegt man sich am spätsten zu entschließen)Es in Vergessenheit, in deren stummer NachtEs keinen ärgern kaun, aus kluger Pflicht zu zieh».Doch deine Ehre--