Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
434
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434 Weiber sind Weiber.

Lisetre Und doch weinen sie nm ihn?

K^anm. ?s war ein Teuffel von einem Manne.

Aiselte. lind doch weinen sie um ihn?

K^anra. Unmöglich kan es ihm in der Welt wohl gehen.

K.lsettc. Der liebenswürdige Mann!

K.anra. Aber das betrübt mich eben, daß ihn vielleicht Gott mei-netwegen jezo heimsucht. Wer weiß wo er jetzo ist; wer weiß wie übelcS jctzo ihm geht. Ach mein allerliebster Leander! Ich vergebe dir al-les, was dn mir zn viel gethan hast, Deine Uebcreilung, deine Trun-kenheit

Aisette. Weinen sie mir, Madame, weinen sie. Vielleicht straftsie der liebe Gott, daß er wiederkömmt, und alsdann werden ihreThränen billig seyn. Wenn ihre Thränen noch Thränen des Ver-drusses, und des Andenkens, wie viel sie bey ihm ausgestanden,wären----

A.aura. Ach, Lisctte, hört er denn ans deßwegen mein Mann zuseyn, weil er mich übel gehalten hat?

Lisette. Aber ihre Verbindlichkeit hört ans ihn zn lieben. Sa-gen sie was sie wollen. Ich sehe es allzuwohl. Ihre Thränen sindWciberthräncn, das ist Thränen ohne Ursache. Oder aufs höchsteThränen des Eigensinnes.

L>aura. Ihr seyd eine Närrin, Lisettc. Was wurden die Leutesagen--

Aisetre. Und also weinen sie nur die Leute zu hintcrgehn? IhreThränen sollen der Welt das glaublich machen, was ihre Aufführunggegen ihren Mann doch so deutlich wicdcrlegt hat? Und darzu, siesind sehr thörigt, daß sie nach dem Ruhme einer treuen, und außer-ordentlich treuen Frau so geitzen. Dieser Ruhm ist jezo in den Augender Welt sehr klein. Denn diese theilt sich nur in zwey Haussen. Dereine hält diese Tugend bey einem Frauenzimmer für lächerlich und ab-geschmackt. Der andre für falsch und ertichtct. Der eine glaubt sienicht, und der andre achtet sie nicht. Wir müssen uns jeziger Zeitdurch ganz andre Eigenschaften beliebt machen.

Es ist schlimm genung, daß die Tugend so wenig geach-tet wird.

L.isette. O die Tugend, die keinen andern Grund hat, als einwas werden die Leute sage»/ die verdient diesen Tittel sehr we-