Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
435
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Wcibcr sind Wcibcr.

nig. Von Gott und RcchtS wegen sollten sie lachen, Madame Laura,und sich freuen, daß sie eines Mannes loß seyn, den sie selbst nichtgenug tadeln können. Und wenn ja eine von ihnen beyden weinenwollte, so würde es an sie kommen, Madame Hilaria. Dcnn Män-ncr, die sich ihrer Wcibcr wegen rninircn, sind jczo sehr rar. Siemochten wohl keinen seines gleichen wieder finden.

-Hilaria. Das kan schon wahr seyn. Aber ich weinen? Ich! Washätte ich das Ursache? Mein Mann war eine ehrliche Haut, ob ergleich auch seine Fehler hatte. Und dafür war er eine Mannsperson.Ich war ihm rechtschaffen gut. Ich bin ihm auch jczo noch gut, sogut, als man einem Manne in seiner Abwesenheit seyn kann. Aberwas hülffe mir mcine Bctricbniß? Er kommt nicht wieder; nun gut,so mag er wegbleiben. Wenn es ihm an einem Orte besser geht, alses ihm hier gehen würde, warum sollte ich es ihm nicht gönnen? Un-terdessen kann ich mir ein unschuldiges Vergnügen mit meinen närri-schen Frcycrn machen.

Ausette. O die hat ihr Vater ziemlich verjagt, lind es ist ihnennoch der einzige Herr Scgarin übrig geblieben.

-Hilaria. TaS ist cS eben, was mir noch einigen Verdruß ma-chen konnte, wenn ich nur im geringsten darzu aufgelegt wäre. EinFrauenzimmer wie ich mir einen Freyer zu haben? Das kränkt; dasist unerträglich, lind wo sich nicht bald wieder neue bey mir melden,Schwester, Schwester, so wirst du deinen Herr» Wohlklang am läng-sten gehabt haben. Glaubst du nicht, daß ich reihend genug bin, ihndir abspänstig zu machen?

Ä.aura- O Hilaria, waS verräthst du vor ein niederträchtiges Ge-müth? Ist das die Treue, die du deinem Manne an dem heiligenAltare geschworen? Ilebcrlcgst du denn gar nicht, was die Welt vondir sagen wird?

-Hilaria. O, ich sage von der Welt was ich will, und die Welthat eben das Recht über mich.

Äusette. (zur Laura) Aber gleichwohl scheint es, als ob ihnen derVerlust des Herrn Wohlklangs etwas nahe gehen würde, trotz der Liebegegen ihren abwesenden Mann?

Aaura- Eure Reden quäle» mich, schweigt, Lisctte.

-Hilaria. Aber ich möchte nur ewig wissen, was unsern klugen

Vater auf den närrischen Einfall gebracht hätte, alle unsre Freyer ab-

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