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2 (1838)
Entstehung
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487
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Die glückliche Erbi»,

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zen menschlichen Lebens, der Nothwendigkeit zu sterben, nnd derUngewißheit unsers Endes.

Araspe. Lieber Sohn, was zu viel ist, ist zu viel und istvom Uebel. An den Tod denken ist gut. Aber so an denTod denken ist nicht gut. Wer soviel Furcht vor dem Tod hat,beweiset, daß er das Leben zu sehr liebt. Bestrebe dich gut zuleben, wenn du gut sterben willst. Weg mit der Melancholie!thu deine Schuldigkeit und mache dir erlaubtes Vergnügen.Folge deinem Vater und nicht deiner Leidenschaft. Ich muß jaeher sterben, wie du; denn ich bin älter wie du, aber nichtdeswegen traurig. °) Ich lebe als ein ehrlicher Mann, um alsein zufriedner Mann sterben zu können. Denke diesem nach,mein Sohn! Muntre dich auf und laß mich, wenn ich dichbald wiedersehe, ein fröhliches Gesicht erblicken.

(umarmt ihn und geht ab)

Fünfter Auftritt.A.elio. (dcr ihm mit Verwirrung nachsieht) Armer bctrogncr Va-ter! Dein Feind, dein Nebenbuhler ist es, den du so zärtlichumarmt hast. Aber wie? Werde ich so ruchlos seyn und Ju-lianen mehr lieben, als den, dem ich das Leben zu danken habe «?Nein, ich muß sie unterdrücken, diese Liebe, so unschuldig sieauch sonst war. Mein hartes Geschick macht, sie mir von nunan zu einem Verbrechen. Aber wie theuer wird es mirwerden, alle meine Glückseligkeit auf einmal so aufzugeben?Was hilft es? Ich muß. Oder will ich lieber eine unschuldigeTochter ihrer väterlichen Vcrlasscnschaft berauben, und meinenVater von dem Gipfel seiner Hoffnung herabstürzen? Nein, ge-wiß, das will ich nicht So sey sie denn meine Mutter, diemeine Gattin nicht seyn kann! Verhaßter Wechsel!

Sechster Auftritt.Pasquill, Lelio,Paeqnin. Das geht gut! Man fängt schon wieder an,mich als einen Bedienten vom Hause anzusehen. Nun, Herr

°) Mit den Worte»aber deswegen traurig?" fängt das BrctzlancrBlatt an. Es schließt oben auf dcr Rückseite mit den Worten des sechstenAustritts /,Lelio. Nimmermehr hätt ich es geglaubt--Pasquill."