490 D. Faust.
vor dem Beelzebub, Rechenschaft von ihren Verrichtungen zu geben.Einer, der eine Stadt in Flammen gesetzt. Ein anderer, der in einemSturme eine ganze Flotte begraben. Werden von einem Dritten ver-lacht, daß sie sich mit solchen Armseligkeiten abgeben. Er rühmt sich,einen Heiligen verführt zu haben; den er beredt, sich zu betrinken,und der im Trunke einen Ehebruch und einen Mord begangen. Die-ses giebt Gelegenheit, von Fausten zu sprechen, der so leicht nicht zuverführen seyn möchte. Dieser dritte Teufel nimmt es auf sich, undzwar ihn in vier und zwanzig Stunden der Hölle zu überliefern.
Jetzt, sagt der eine Teufel, sitzt er noch bey der nächtlichen Lampeund forscht in den Tiefen der Wahrheit. Zu viel Wißbegierde ist einFehler; und aus einem Fehler können alle Laster entspringen, wennman ihm zu sehr nachhängt.
Nach diesem Satze entwirft der Teufel, der ihn verführen will,seinen Plan.
Erster Aufzug.
Erster Austritt.(Dauer des Stucks von Mitternacht zu Mitternacht.)
Faust unter seinen Büchern bey der Lampe . Schlägt sich mit ver-schiedenen Zweifel» aus der scholastischen Wcltwcisheit. Erinnert sich,daß ein Gelehrter den Teufel über des Aristoteles Entelechie citirt ha-ben soll. Auch er hat es schon vielfältigemal versucht, aber vergebens.Er versucht es nochmals; eben ist die rechte Stunde; und liefet eineBeschwörung.
Zweyter Auftritt.
Ein Geist steigt ans dem Boden, mit langem Barte, in einenMantel gebüllet.
G. Wer beunruhiget mich? Wo bin ich? Ist das nicht Licht,was ich empfinde?
Faust erschrickt, fasset sich aber und redet den Geist an. Wer bistdu? woher kömmst du? auf wessen Befehl erscheinst du?
G. Ich lag und schlummerte und träumte, mir wär nicht wohl,nicht übel; da rauschte, so träumte ich, von weitem eine Stimme da-her; sie kam näher und näher; BeHall! BeHall! hörte ich, und mitdem dritten Behalt, stehe ich hier!