Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
530
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Der Schlaftrunk.

Charlotte. Ztzt besinne ich mich Morgen muß der dritteTeich ans dem Gute gefischt werden O ja, lieber Onkel, ichwill es gleich dem Kutscher sagen; wir fahren morgen früh her-aus, und fischen.

K. Richard. Fischen? Za, Herr Berthold denkt zu fischen.Aber, Herr Bertholt), man fängt nicht immer, wenn man fischt! Lottchcn, die drey Krcutzc bedeuten, daß morgen der dritteTermin ist; der dritte und letzte Termin zu Producirung meinerQuittungen. Nun freylich weiß ich nicht, wo die verdammtenQuittungen hingekommen sind. Aber ich will doch hoffen, daßman einen ehrlichen Mann, wie ich bin, wird zum Schwürekommen lassen! Ich schwöre, und Herr Bcrthold wird ab-gewiesen.

Charlotte- Aber, lieber Onkel, ich dächte, Sie liessen esso weit nicht kommen. Ein Schwur ist doch immer eine sehrwichtige Sache; und Geld ist nur Geld.

S- Richard. Nein, Lottchen, Geld ist die wichtige Sache,und ein Schwur ist nur ein Schwur. Nicht, daß ich, um werweiß wie viel, einen falschen Schwur thun sollte! Nein, dasey Gott vor! Aber wenn man Recht hat

Charlotte. Auch dann, dächte ich, lieber Onkel, sollte man,wenn es nur eine Kleinigkeit bctrift, sich lieber gefallen lassen,Unrecht zu bekommen, als zu schwören

S- Richard. Za, das dächtest du; aber das verstehst dunicht. Morgen soll sichs zeigen. Ey denkt doch! Waswürde das für eine Freude für Herr Bcrtholdcn gewesen seyn,wenn ich auch den dritten Termin versäumt hätte, und hättemich kontumacircn lassen, und hätte ihm noch einmal bezahlenmüssen

Charlotte- Es kömmt jemand, lieber Onkel. Er ist eswohl schon selbst.

Zweyter Auftritt.Philipp Richard, und die Vorigen.Charlotte. Nein, es ist Onkel Philipp.Philipp Richard. Guten Tag, Bruder Samuel.S. Richard. Lottchen, hat der sich auch melden lassen?