?cr Schlaftrunk,
Charlotte. Nein, aber — Seyn Sie gütig gcgcn ihn.Philipp R. Wicstchts, Bruder? Noch gesund? noch frisch«!S. Richard. Gesunder und frischer, Bruder, als ihrwünscht —
Philipp R. Als ihr wünscht? Wen nm,nst du, Bruder?
S- Richard. Ich habe dirs hundertmal gesagt, daß mirgewisse Leute, wenn sie sich nach meiner Gesundheit erkundigen,recht sehr ärgerlich sind. Siehst du, Bruder; ich sehe dich herz-lich gern kommen, aber auch herzlich gern bald wieder gehn.
Charlotte. Lieber Onkel, bedenken Sie, daß es Zhr Bru-der ist — —
Philipp R- Mühmchcn, menge Sie sich unter uns nicht.— Bruder, du bist die wunderlichste, argwöhnischste Glatze, diesich jemals in einem Großvatcrstuhlc geschüttelt hat.
S- Richard. Hörst du, Lottchcn, hörst du?
Philipp R. So was verhört Lottchcn nicht! — Aberwarum ist dir denn mein Anblick so zuwider? Ich sehe dochdem Tode so ähnlich nicht. Gesund, fett und frölich, wie ichbin — —
S. Richard. Die Gesundheit erhalte dir Gott; dein Fettbist du schuldig, und deine Frölichkcit gehört ins Tollhaus. WasWunder also, daß ich den Tod lieber sehe, als dich? Wennich den Tod sehe, so sehe ich meine letzte Stunde; und wennich dich sehe, so sehe ich die nächsten Stunden nach meiner letz-ten. Einem ehrlichen Manne, der es sich in der Welt hatsauer werden lassen, ist die Vorstellung des Grabes lange nichtso marternd, als die Vorstellung eines lachenden Erben. Aber,Bruder, hast du gelesen von einem Maler, der mit einem ein-zigen Pinsclstrichc ein lachendes Gesicht in ein weinendes ver-wandeln konnte? Ich bin so ein Maler.
Philipp R Ze nu, wenn ich nicht lache, so wird eineandere desto mehr lachen. — — Lache Sie doch einmal, Lott-chcn! Sie lacht recht hübsch —
Chatlotte. Sie verfahren sehr grausam mit mir, Onkel —
Philipp R- Zm geringsten nicht! Denn gelacht wird beydem Grabe eines reichen Gcitzhalscs doch; er mag es anfangen,wie er will.
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