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?er Schlaftrunk,
Ä^ncinOe- Ey! Sie erschrecken mich Madcmoiscll. —
Charlotte- Was ist mm das, Lucindc?
F.ricinOe. Ich versprach mir, in der Gesellschaft dieses ehr-würdigen Alten —
Charlorrc. Du bist doch eben sonst keine Liebhaberinn vonGesellschaft mit alten Lcntcn.
lucindc. Wie, Mademoiscll? Gewiß, Madcmoiscll, Sieverkennen mich! Ich keine Liebhaberin von Gesellschaft mit al-ten Leuten? Ich muß mich schämen, daß Sie von meiner Sitt-samkcit, von meinem Verstände, von meiner Tugend einen sonachthciligcn Begriff haben. Zn welcher Gesellschaft ist unsereuncrfahrnc Zugcnd, unser leicht zu verführendes Herz, wohl bes-ser aufgehoben, als in Gesellschaft der Alten? Zn ihr, wo wirnichts als weise Sittcnsprüchc, nichts als fromme Ausrufungenüber die verderbten Zeitläufte, nichts als lehrreiche Es war ein-mal, zu hören bekommen, sollte sich ein junges Mädchen nichtfreuen, ganze lange Abende zu — zu —
Charlotte. Zu vcrgähncn? — Spricht sie nicht, als obwirklich der Onkel in seinem Lchnstuhlc säße, und ihr zuhörte?
^ucinde- Werthe Madcmoiscll, lassen Sie uns immer soreden, als ob wir von ernsthaften weisen Männern gehöretwürden —
Charlotte. Wird das noch lange so dauern, Lucindc?
lucindc. Ich weiß, daß mich meine ernsthafte Freundinnin keinem andern Tone zu hören wünscht —
Charlotte- (ruft in die Scene ) Finettc!
L.ucinde. Was wollen Sie, Madcmoiscll?
Charlotte. Sie mag nur wicdcr kommen. — Finettc!
A.uciiloe. Ich sehe ungern, Madcmoiscll, daß Sie so garvertraut mit Zhrcm Dienstmädchen sind. — Eine vernünftigeHerrschaft —
Lharlorre. Finettc! Finettc!
-L-ucindc. Muß seine Untergebene jederzeit in einer gcwis-scn Entfernung zu halten wissen. —